
Alle Welt im Garten by Klappacom
Eine Reportage über Gärten? Wie langweilig, könnte man meinen. Doch wie überraschend anders manche "Gärten" sein können, stellt Klappacom hier an drei Beispielen aus Deutschlands grüner Metropole Berlin fest.
Die kleinen Bilder können mit einem Klick vergrößert werden.
Die Gärten der Welt
Die "Gärten der Welt" befinden sich nicht etwa im Diplomatenviertel, sondern zwischen den Hochhäusern und Plattenbauten von Berlin-Marzahn.
Doch all dies ist schnell vergessen,denn das Gelände ist weitläufig und teilweise bewaldet. Ist man drin, merkt man nichts mehr vom Großstadttrubel, dem Verkehrslärm, den hässlichen Bauten. Außergewöhnliche Gartenlandschaften und Ruhe umgeben einen - und die Entdeckungslust, wenn es heißt acht "Gärten der Welt" zu erkunden. Aber was erwartet einen dort?Gleich am Eingang befindet sich der Orientalische Garten. Doch wenn man durch das prunkvolle Eingangstor tritt, erwartet einen erstmal gar kein Garten, sondern man befindet sich in einem Raum, den man wahrlich orientalisch nennen möchte. Er besitzt eine flache, gläserne Kuppel, ist umgeben von kunstvoll verzierten Säulen - ebenso wie die Wände, die mit aufwendigen Mosaiken verkleidet sind.
Es lohnt sich jedoch weiterzugehen, denn wenn man das zweite Tor des kleinen, unter anderem von einem Landschaftsarchitekten, der schon an der Expo 2000 mitgewirkt hat, angelegten Komplexes passiert, betritt man erst den "richtigen" orientalischen Garten. Zahlreiche Brunnen sprudeln und verbreiten Frische. Pflanzenbeete und Palmen befinden sich dazwischen in diesem von Mauern umgebenen Kleinod.
Der Chinesische Garten. ©KlappacomWenn man jetzt die Entdeckungstour fortsetzt, könnte man sich auf ein weiteres Highlight des Parks stürzen: den Chinesische Garten. Laut einer Info-Tafel wurde dieser Garten von Chinesen selbst angelegt. Er ist im Zuge der Unterzeichnung einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin entstanden. "Der Garten des wiedergewonnenen Mondes", so sein eigentlicher Name, ist von 1997 bis 2000 auf etwa 2,7 Hektar gebaut worden. Er besticht besonders durch das ausgeprägte Element Wasser. Es gibt einen Wasserfall, kleine Bachläufe, Brücken und einen großen See. Und wenn man im großen Teehaus sitzt und einen grünen Tee zu sich nimmt, fühlt man sich glatt wie im alten China.
Auch Heiraten ist hier möglich, dafür gibt es sogar ein eigenes Gebäude.
Ein Schwerpunkt der Gärten der Welt scheint auf Asien zu liegen. So gibt es auch einen Japanischen Garten, der zwar nicht so groß ist wie der chinesische, aber dafür umso detailreicher ausgestaltet. Der Koreanische Garten ist aufwendig gestaltet und bringt einem nahe, wie vor einigen hundert Jahren in Korea wohlhabende Adlige gelebt haben. Man erkundet das Gelände eines schönen Hauses mit all seinen Vorhöfen. Der Balinesische Garten liegt im Gegensatz zu den anderen Gärten nicht im Freien, sondern befindet sich in einem Gewächshaus, da die tropischen Pflanzen auch tropisches Klima benötigen.Eine besondere Abwechslung bieten der Irrgarten und das Labyrinth. Der Irrgarten ist wirklich so angelegt, dass man nicht über die dichten, grünen Hecken schauen kann. Das Ziel ist es, einen blauen Aussichtsturm inmitten der verworrenen Gänge zu erreichen, doch der Weg dahin ist alles andere als einfach zu finden. Und es kann durchaus passieren, mehrere Male an ein und demselben Ort herauszukommen, wo man doch schon einmal war. Ein Irrgarten, wie er im Bilderbuch steht.
Am Ende des Parks befindet sich der italienische "Renaissancegarten". Hübsch - aber etwas klein.
Insgesamt ist von den Gärten der Welt in Marzahn ein sehr positives Fazit zu ziehen. Es kann durchaus mehr als einen Nachmittag füllen, den ganzen Park zu besuchen und es hat schon etwas von einer Reise, wenn man die Gartenkultur und -architektur verschiedener Länder kennenlernt. Eine gelungene amüsante Abwechslung bringt der Irrgarten.Biosphäre - Tropengarten Potsdam
So sieht die Biosphäre Potsdam von außen aus. ©Klappacom
In Berlins Nachbarstadt Potsdam befindet sich die so genannte "Biosphäre". Es handelt sich dabei um einen Indoor-Tropengarten. Nach einer kurzen Einführung begibt man sich auf Darwins Spuren und erkundet den Regenwald, sowie in einem kleinen Bereich auch die tropischen Meereswelten. Besonders überzeugend ist das neue Schmetterlingshaus, in dem es zahlreiche freifliegende Schmetterlinge gibt, die sich auch gerne beobachten lassen. Man kann den gesamten Verlauf der wunderbaren Metamorphose dieser in allen Farbtönen schimmernden - teilweise sogar gigantisch großen - Falter erleben, wie die Raupen sich an kleinen Bananenstauden zu schaffen machen, sich verpuppen und schließlich in neuer Gestalt schlüpfen. Eine Pflegerin erklärt: "Die Kokons werden importiert. Hier züchten wir sie dann weiter." Ein gelungenes Projekt.
Dieser Atlas-Falter ist einer der größten Schmetterlinge der Welt und gerade aus seinem Kokon in der Biosphäre Potsdam geschlüpft. ©Klappacom
Gegenüber den anderen Gärten legt dieser mehr Wert auf die Tiere. Natürlich findet man hier auch die Gottesanbeterin, große Stabheuschrecken, Chamäleons, Leguane und Schlangen. In Terrarien, versteht sich. Freifliegend sind dagegen einige bunt gefiederte Vögel, die in all dem üppigen Pflanzenwirrwarr fast gar nicht mehr auffallen. Mit Filmen und einigen Experimenten wird die Biologie auch den Kleinen näher gebracht.Gefallen kann also auch die Biosphäre, die jedoch andere Akzente setzt - ebenso wie beim Preis. Zur Zeit liegt er für eine erwachsene Person (14-88 Jahre) bei 9,50 ¤ - etwas teuer...
Der botanische Garten Berlin
Das große Tropenhaus des botanischen Gartens. ©KlappacomDer botanische Garten im Herzen Berlins gilt als einer der größten der Welt. Er kann bereits auf eine 325-jährige Geschichte zurückblicken und ermöglicht eine Weltreise auf wissenschaftlich fundierter Basis. Wenn man den riesigen Park durchwandert erwarten einen am Wegesrand immer wieder überraschende Pflanzen, die man noch nie gesehen hat. Besonders, wenn alles in Blüte steht ein tolles Erlebnis. Eine der Aufgaben des botanischen Gartens ist es auch, vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten zu schützen und zu bewahren. Von den 22.000 zu sehenden Pflanzenarten stehen 466 auf den roten Listen von Deutschland.
Ein besonderes Erlebnis ist dabei immer wieder der Besuch der fünfzehn Schaugewächshäuser. Sie bieten den Pflanzen Schutz, die in unserem Klima nicht überleben könnten. Wie zum Beispiel die Kakteen und Sukkulenten. Wie zwischen den Wolkenkratzern von Manhattan fühlt man sich inmitten dieser sehr hohen Kakteen. Behaarte Kakteen, stachelige Kakteen, Kakteen mit Widerhaken, runde Kakteen, schlanke Kakteen, ... Es gibt einfach irre viele Kakteen zu sehen.
Doch die Artenvielfalt ist bei anderen Pflanzengattungen nicht unbedingt geringer. Ein wahres "Wimmelbild" bietet sich dem Besucher - doch alle Pflanzen werden mit einem kleinen Schild benannt, oft sind noch viele weitere Informationen nachlesbar. Es steckt viel System in diesem aufwendig angelegten Park und in den Schauhäusern, die doch stark an Professor Sprouts Gewächshäuser aus Harry Potter erinnern. Fast magisch erscheinen einem da schon so manche Pflanzen, wie zum Beispiel die fleischfressenden Pflanzen, die viele verschiedene clevere - wie auch grausame Praktiken anwenden, um ihre Beute (meistens Fliegen) zu erlegen.
Interessant: Der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze. ©Klappacom
Wie soll es erst sein, wenn im September 2009 das große Tropenhaus eröffnet wird? Es ist bereits jetzt von außen zu bestaunen. Das gläserne Gewächshaus der Extraklasse erinnert an den Jugendstil der 20er und wurde tatsächlich bereits 1905-1907 gebaut (siehe Foto). Nach einer Renovierung wird es nun im kommenden September wiedereröffnet. Möglich ist es dort, auch riesige Palmen unterzubringen, was sonst kaum möglich ist. Dann wird es auch wieder die über 4000 Pflanzen zu sehen geben, die das große Tropenhaus auch früher schon beherbergt hat.Alles in allem ist der botanische Garten ein hervorragendes Ausflugsziel, denn es gibt viel Spannendes und Besonderes zu sehen. Erst recht wird der Besuch lohnen, wenn das neue Gewächshaus eröffnet wird.
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1 Kommentar:
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Name: fairy taleKommentar: Gefällt mir :) Eine Hochzeit im chinesischen Garten, jetzt hat es mein Bräutigam mal schwer mich glücklich zu machen ;D
Und der balinesische Garten interessiert mich sehr; nicht nur, weil ich das Original kenne.
Doch, du hast mein Interesse an der Gartenwelt in Berlin geweckt :)
Am 18.08.2009, 18:48 Uhr
Aus der 10. Ausgabe vom 16.08.2009.