Bianka Minte-König im Interview by Nadjen


Sie ist die erste Autorin und Mitgründerin der Jugendbuchreihe "Freche Mädchen - Freche Bücher". Der zweite Teil des Kinohits "Freche Mädchen", beruhend auf ihren Büchern, läuft gerade im Kino. Ihre Bücher wurden sogar als Mangas publiziert.
Ich habe mit der Bestsellerautorin "Bianka Minte-König" ein Interview geführt und viel Interessantes erfahren ...

Bianka Minte-König Bianka Minte-König. Sie sind eine sehr erfolgreiche Autorin. Dennoch gibt es Leute, die Sie vielleicht nicht kennen. Welche drei Sätze über sich selbst und Ihre Bücher würden Sie jemandem sagen, der Sie nicht kennt?

Bianka Minte-König: Ich bin die Tochter eines Buchhändlers und habe von kleinauf mit viel Lust und Kreativität Geschichten erfunden. Meine beiden Kinder, Gwyneth und Dominik sind das Beste, was ich in meinen Leben geschaffen habe, danach kommen gleich die Bücher. Schreiben ist mein Leben und ein immer neues Abenteuer, es macht unglaublich viel Spaß und hilft mir jung zu bleiben.

Jeder Autor fängt mal klein an. Was waren Ihre ersten Schritte als Autorin? Und welches war das erste Buch, das Sie in einem Verlag herausgebracht haben? Wie haben Sie das geschafft?

Bianka Minte-König: Ich habe schon bevor ich schreiben konnte, Geschichten erfunden und dann später in der Pubertät Gedichte geschrieben. Dann habe ich ein Kindertheater geleitet, für das ich die Stücke geschrieben habe. Da ich mich im Hauptberuf als Professorin für Medien-, Theater- und Literaturpädagogik auch viel mit Kinder- und Jugendliteratur beschäftigt habe, lernte ich einen Verleger kennen, der mir empfahl doch auch mal selber ein Jugendbuch zu schreiben. Das erste war allerdings der Text zu einem Bilderbuch "Komm mit in den Kindergarten". Das war gleich ein Bestseller und dann gab ich den Anstoß zur neuen Mädchenbuchreihe für moderne Mädchen "Freche Mädchen" und schrieb dafür den Starttitel "Generalprobe". Da steckt viel aus meiner Familie und aus meiner Theaterarbeit drin. Hat viel Überzeugungskraft gekostet, den Verleger zu einer eigenen Mädchenbuchreihe zu bewegen. Aber ich war damals ja Frauenbeauftragte und fand, dass man Mädchen fördern müsste und vor allem eine selbstbewusste neue Weiblichkeit. LöL

Es gibt Erwachsene, die sich nicht in Jugendliche und Kinder hineinversetzen können. Sie als Autorin für diese Zielgruppe müssen dies sehr oft tun. Fällt Ihnen das manchmal schwer, und wie gut können Sie sich in die Hauptpersonen Ihrer Teeny-Bücher hineinversetzen?

Bianka Minte-König: Mir fällt das überhaupt nicht schwer, denn erstens habe ich viel Kontakt zu jungen Mädchen, selber eine Tochter und genügend Einfühlungsvermögen. Außerdem bin ich ein moderner Mensch und glaube, die heutigen Mädchen fast besser zu verstehen, als Menschen meiner eigenen Generation. Die sind mir oft zu spießig und zu langweilig.
Viele Leserzuschriften bestätigen mir, dass ich mich sehr gut in heutige Teenager hineinversetzen kann. Lebensnähe und Echtheit sind mir für meine Heldinnen und die Geschichten absolut wichtig.

Sie schreiben nicht nur an der Reihe "Freche Mädchen - Freche Bücher", sondern auch an Romanen, die sich an Erwachsene richten. Sind Ihnen diese jetzt primär wichtiger?

Bianka Minte-König: Nein. Freche Mädchen ist immer noch meine Lieblingsreihe bei den Jugendbüchern. Aber bestimmte Dinge kann ich als Autorin in Jugendbüchern nicht schreiben und dennoch juckt es in den Fingern. Jetzt habe ich eine ganz großartige Vampirsaga begonnen, wo in ein 17 jähriges Mädchen eine uralte Vampirin fährt ... "Die dunkle Chronik der Vanderborgs". Da kann ich auch mal Dinge thematisieren, die für ein Jugendbuch zu heftig sind. Das ist mir schon auch wichtig, denn ich möchte mich ja auch weiter entwickeln und Fantasy ist ja eine ganz spannende Literaturgattung. Außerdem habe ich mir noch einen Thriller vorgenommen. Aber auch im Jugendbuch gibt es etwas neues: Krimi und Mystery als Erweiterung meiner Erfolgsreihe "Liebe ?Geheimnis".

Ihre 'freche Mädchen Bücher' wurden nun schon zum zweiten Mal verfilmt. Das ist sicher ein sehr großes Highlight für Sie.
Was haben Sie gedacht, als es zum ersten Mal hieß, aus Ihren Büchern wird ein Kinofilm?


Bianka Minte-König: Filme nach Büchern sind schon etwas Spezielles. Man fühlt sich als Autor natürlich geehrt, weil man so populär ist. Aber Filme sind schon ein eigenes Medium und nicht alles gefällt einem Autor. Ich fand aber die Darstellerinnen unheimlich süß und charmant und auch die Regisseurin hat ihre Sache sehr gut gemacht. Es sind schöne Filme geworden, aber wirklich "meine Filme" sind es nicht. Mir sind meine Heldinnen so lieber, wie ich sie in den Büchern beschrieben habe.

Aller guten Dinge sind drei: Hätten Sie gerne noch einen dritten 'freche Mädchen' Film, basierend auf Ihrer schriftlichen Grundlage?

Bianka Minte-König: Warten wir mal ab, wie der 2. Film beim Publikum ankommt. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass meine Kiki-, Leoni- oder Jette-Holly-Bücher einen guten Filmstoff abgeben. Zu Jette-Holly würde ich dann aber gerne selber das Drehbuch schreiben, damit der Film auch nahe an den Buchvorlagen bleibt und deren Witz gut darstellt. Anke Engelke als Holly wäre super lustig!

Aber Ihre Bücher wurden nicht nur verfilmt, sie wurden auch als Mangas gezeichnet. Wie kam es denn zu dieser Idee?

Bianka Minte-König: Jo Kaps, der Verleger von Tokyopop fand meine Hanna-Mila-Kati-Reihe sehr lustig und lebensnah und meinte, man müsste auch mal Mangas mit deutschen Mädchen machen.
Ich finde die Illustratorin Inga Steinmetz hat ihre Sache sehr gut gemacht und die Mangabearbeitungen durch Yuki Kowalsky ist auf jeden Fall näher an den Büchern als die Filme.

Wie fangen Sie mit einem neuen Buch an? Fällt Ihnen das Schreiben manchmal schwer? Gibt es Tage, an denen Sie denken: "Hilfe, das schaffe ich nie"?

Bianka Minte-König: Solche Tage gibt es und man kann dann auch nichts erzwingen. Aber natürlich muss ich mich bei den vielen Projekten, die ich so habe, auch an schlechten Tagen in "Schreibstimmung" bringen. Am besten funktioniert es, abends das neu Geschriebene auszudrucken und am Morgen gleich nach dem Aufwachen bei einer schönen Tasse Tee zu lesen und zu korrigieren. Danach am PC die Korrekturen zu übertragen und einfach weiter zu schreiben. Ich jedenfalls komme so eigentlich immer wieder gut in den Text hinein, egal ob es ein Tag zum Schreiben ist oder nicht ... ;-) Ich lebe ja auch quasi in meinen Büchern und ihren Welten ... nur richtig stören sollte mich in der Schlussphase eines Buches niemand. Da haue ich dann schon mal für ein paar Wochen nach Mallorca ab.

Sie haben in letzter Zeit viele Bücher mit Ihrer Tochter zusammen herausgebracht. Macht Ihnen die Arbeit zu zweit Spaß oder ist es auch manchmal anstrengend?

Bianka Minte-König: Das Schreiben zu zweit ist der Wahnsinn! Total lustig und kreativ und soviel einfacher als alleine ein ganzes Buch zu schreiben. Ich liebe es, mit meiner Tochter Ideen auszubrüten und dann abwechselnd oder mit verteilten Rollen am Text zu arbeiten. Es macht so unglaublich viel Spaß und wir liegen ja durch viele gemeinsame Projekte ( zum Beispiel bei Theater und Film) meist auf der selben Wellenlänge. Und wenn nicht, ist es sehr fruchtbar auch mal heftig zu diskutieren. Wenn dann die Gemüter beruhigt sind, entsteht meist etwas richtig schönes Neues.

Eigentlich ist das Schreiben eines Buches doch eine Arbeit, die oft zurückgezogen und allein passiert. Wenn Sie nun mit Ihrer Tochter schreiben, wie gehen Sie vor? Wie bekommt man zwei Autoren unter einen Hut? Und macht es Ihnen mehr Spaß, zu zweit zu schreiben?

Bianka Minte-König: Wir arbeiten gemeinsam eine Idee aus und dann fängt meist einer an zu schreiben und der andere schreibt dann weiter. Da wir überwiegend mit verteilten Rollen schreiben, also Gwyneth zum Beispiel Jette und ich Holly oder Gwyneth Alix und ich Melly, geht das sehr gut. Jeder gibt seinem Charakter ein ganz eigenständiges Profil.
Zu zweit zu schreiben ist bei humorvollen Büchern sehr lustig und klappt prima. Nun schreibt Gwyneth ja auch eigene Bücher und natürlich helfen wir uns gegenseitig mit Tipps und Korrekturlesen. Manches würde ich aber nie mit einem Co-Autor schreiben. Mein neuer Krimi "Schafskälte" zum Beispiel, der im Frühjahr erscheint und auch die Vampirsaga sind Stoffe, die ich alleine mit mir und meinen Helden ausmachen muss.

Welche Pläne haben Sie noch für die Zukunft, als Autorin?
Auch wieder gemeinsame Projekte mir Ihrer Tochter?


Bianka Minte-König: Die Frechen Mädchen weiter schreiben, möglichst mit Gwyneth, die Vampirsaga "Die dunkle Chronik der Vanderborgs", einen Thriller. Gwyneth schreibt selber an neuen Büchern, einer Thrillerreihe und einem Mächenbuch zum Thema "Abiball"

Wenn Sie sich aussuchen könnten, einen Tag lang jemand aus Ihren Büchern oder aus Ihren Lieblingsbüchern zu sein, in welche Rolle würden Sie gerne schlüpfen?

Bianka Minte-König: Das ist eine lustige Frage, über die ich noch nie nachgedacht habe. Hm, ich glaube ich wäre gerne "Estelle" aus meinem neuen Vampirroman. Sie ist jung (17) und verliebt sich in einen unglaublich tollen Mann. Außerdem steht sie vor schwierigen Herausforderungen, um diese Liebe zu verwirklichen, Alles beginnt um 1900 und das war eine überaus aufregende und romantische Zeit. Ja, ich glaube, ich wäre damals gerne eine junge Frau gewesen. Schon wegen der Romantik und um von einem so tollen Mann wie Amadeus von Treuburg-Sassen geliebt zu werden.

Zum Schluss noch Ihre persönliche Nachricht an alle Nachwuchsautoren?

Bianka Minte-König: Viel erleben, viel lesen und viel schreiben!

Vielen Dank für das Interview!

Bianka Minte-König: Aber gerne! Danke für die tollen Fragen!

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Aus der 21. Ausgabe vom 29.08.2010