Fußball, bunte Tiere und neue Fremdsprachenkenntnisse by Sonnenblume


DschungelSo - oder so ähnlich - sieht es auch im brasilianischen Dschungel aus.
Foto: "Virginia Boswell" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)
http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de


Wenn ich an Brasilien denke, fällt mir - wie es wohl einigen anderen auch geht - zuerst das Wort Fußball ein. Dafür ist Brasilien auch weltberühmt. Ja, und vielleicht noch Regenwälder. Aber davon habe ich auch keine genaue Vorstellung, schließlich wächst ja keiner hier in der Gegend.
Eigentlich schade, dass ich damals so wenig wusste über ein Land, das mich seit einer dreiwöchigen Reise so fasziniert hat, wie bis jetzt nur wenige Dinge sonst in meinem Leben ...


Die Ankunft war heiß. Alle Anreisenden schwitzten und krempelten ihre dicken Hosen hoch, die sie noch von dem Deutschlandaufenthalt an hatten. Schließlich waren in Deutschland nur Temperaturen im Bereich von etwas über dem Gefrierpunkt.
Und ein wenig zu schön wäre es gewesen, wenn wir jetzt in unser Hotel hätten fahren können. Denn wer in Brasilien einreist muss viel Geduld mitbringen, tausende Fragebögen werden gereicht und dutzende Passkontrollen machten mich langsam müde. Zumal der Flug knappe zwölf Stunden dauerte und ich langsam die Zeitumstellung bemerkte, die meinen Körper durcheinander brachte.
Doch irgendwann hatten wir es dann doch geschafft und stiegen in den Bus. Wenigstens hier eine vernünftige Klimaanlage, die leider nur die ersten drei Reihen erwischte.
Das Hotel war standesgemäß. Es war nicht purer Luxus, aber doch sauber und gut ausgestattet. Ein guter Platz zum Schlafen.
In der ersten Woche unternahmen wir viele Ausflüge zu verschiedenen Attraktionen. Die Kultur und natürlich das fabelhafte Essen sind sehr interessant.
Bald stand eine Weiterreise an: wir würden in den Dschungel fahren und dann zum Hotel wandern. Klingt abenteuerlich, und ist es auch.
Das Hotel lag mitten im Dschungel an einem kleinen Fluss. Als wir an den Empfang kamen, begrüßte uns rechts ein kleiner Affe. Er kletterte auf meine Schulter und wie bei seinen Artgenossen, suchte er meine Haare nach Läusen ab, gekitzelt hat es. Als ich mich verabschiedet hatte, kam auf der Brücke, die über den Fluss führte, eine nächste Tierattraktion: ein Papagei. Immer wenn jemand vorbeikam, sprach er irgendetwas. Aber keiner hat es verstanden, und eins musste man auch noch beachten: nicht den Finger hinhalten! Denn jedem, der dies nicht beachtete, wurde erstmal gehörig in den Finger gebissen; ich muss zugeben, dass ich ein wenig Angst vor ihm hatte.
Gewohnt haben wir in kleinen Häuschen. Die Häuser sahen ein wenig wie Hexenhäuser aus, sie liefen oben spitz zu. Ich durfte oben schlafen, das ist schön, weil man einen tollen Ausblick hat, aber man ist sehr abgeschieden. Die meisten Tage habe ich unten geschlafen.
In den Tagen darauf machten wir viele Wanderungen in den Dschungel und unternahmen Ausflüge, z.B. auf eine Obstplantage.
Viele Früchte, die es in Deutschland nicht zu kaufen gibt und deren Namen ich noch nicht gehört hatte, wachsen hier. Und außergewöhnlich gut schmecken sie auch.
Nach zwei Wochen Urlaub fuhren wir an den Hafen, um von dort mit einem Schiff zu unserem nächsten Ziel zu gelangen. Zum Glück hatten wir Kabinen reserviert, denn die meisten Brasilianer, die auch auf das Boot stiegen, haben auf Hängematten draußen geschlafen. Da wir aber auch nur eine Zweierkabine von 6 m² hatten, musste mein Papa draußen schlafen. Zirka drei Tage dauerte die turbulente Fahrt, denn an einem Mittag sollten plötzlich alle auf die eine Seite rennen, weil das Boot an der anderen Seite zu weit unten sei. Ein wenig Angst hatte ich da schon. Aber heil angekommen sind wir ja trotzdem.

Nun stand eine Woche Schifffahrt durch den Amazonas an, mit unserer deutschen Reiseleiterin, aber dann war auch schon Schluss mit Deutsch. Denn das restliche Personal sprach ausschließlich Portugiesisch. Ja, nur leider ich nicht. Und auch der Rest der Reisegruppe nicht. Aber Verständigungsprobleme? Weit gefehlt. Mit Handzeichen und Demonstration schaffte ich es sogar mit einem jungen Mann Karten zu spielen. Und der war von dem Spiel ganz angetan.

Während des Trips durch den Amazonas unternahmen wir viel: Dschungelwanderungen und andere Ausflüge. Einer der spannendsten war wohl das Piranhafischen. Selbst ich habe einen gefangen.
Am Abend wurden die Fische dann gebraten und gegessen, da ich aber kein großer Fisch-Fan bin, habe ich die Zähne als Souvenir mitbekommen.

Ein Erlebnis, das ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde, war das Tauchen mit den rosa Delfinen, obwohl uns am Eingang erstmal ein Papagei begrüßte und sich auf meinen Arm setzte. Als wir ins Wasser gingen, spürten wir nach einer Weile wie die weiche, zarte Haut der rosa und grauen Delfine unsere Beine berührte. Ein wunderschönes, wohltuendes Gefühl.

Nur leider stand bald die Abreise an, ein trauriger Abschied, denn gerade als wir uns an die Gewohnheiten und Kultur des Landes gewöhnt hatten, mussten wir es verlassen. Es ist der schönste Urlaub meines Lebens gewesen. Und er wird es immer bleiben.

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Aus der 15. Ausgabe vom 24.01.2010