Die Jäger der geheimen Frischhaltedosen
by brillenschlange-liam


Geocaching, so heißt der neue, naturnahe Trendsport, der der klassischen Schnitzeljagd nicht unähnlich ist.

Kinderkram denkst du?
Weit gefehlt. Mit einem GPS-Empfänger bewaffnet machen sich Menschen aller Altersstufen überall auf der Welt auf den Weg, um die Caches (engl. geheimes Versteck) zu heben, an denen "normale Menschen" einfach vorbeigehen, ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Dabei passen sie gut auf, nicht von einfachen Passanten gesehen zu werden. Die Verbindung von High-Tech und Natur macht ein bisschen die Faszination des Geocachings aus. Caches lauern überall. Weltweit finden sich fast eine Million Geocacher und auch in Deutschland sind sie verbreitet.
Es gibt verschiedene Geocache-Arten. Die einfachste Form stellen die sogenannten "Traditional Caches" da.
Bei ihnen bekommt man die Koordinaten des Caches in der Regel direkt. Die Tücke liegt hier auf dem Weg. Ob auf Bergen, in Seen oder in stillgelegten Fabriken, die Cacher sind erfinderisch. Da kann das Finden schon mal andauern. Manchmal muss man auch Rätsel lösen und noch etwas schwieriger sind die sogenannten "Multicaches". Bei Multicaches bekommt man nicht direkt die Koordinaten des Caches, sondern muss sich die Koordinaten über viele Stationen "erarbeiten".

geocachingFoto: Till Gottbrath/gps-festival.de

Ein Geocacher unterwegs

Bevor es losgeht, suche ich mir auf einem Internetportal einen Cache aus, den ich gerne suchen und im Idealfall auch finden möchte. Die heutige Tour beginnt an einem kleinen Parkplatz und befindet sich in meiner Nähe. Es handelt sich um einen einfachen Multicache im Wald.
Mit meinem GPS-Empfänger und einer sogenannten "Cachebeschreibung" mache ich mich auf den Weg. Meine erste Aufgabe heißt: "Wie viele Steinpfähle siehst Du? Die Anzahl ist A"
"Das ist einfach!" denke ich mir. Doch vor Ort gestaltet sich die Aufgabe schwieriger. Etwa die drei da vorne? Oder doch die großen Brocken dahinten? Ich entscheide mich und ersetze in den nächsten Koordinaten "A" mit der herausgefundenen Zahl.
Dort angekommen suche ich einen "Ruhepol", finde eine Bank, und zähle die Steinträger.
Dann weisen Zahlen auf Baumstümpfen, rote Poller und Quersummen auf Schildern mir den Weg.
Nun habe ich die finalen Koordinaten des Caches und mache mich auf den Weg. Mein Gerät lotst mich vom Weg ab, aber da befindet sich ein Graben. Doch auch dieses Hindernis ist schnell überwunden, und ich kämpfe mich durch das Unterholz, Meter für Meter, auf mein Ziel zu.
Laut meinem GPS-Gerät sind es nur noch wenige Meter: 50m, 30m, noch 10 Meter. Genauer geht es nicht mehr. Jetzt heißt es suchen.
Nach 10 Minuten werde ich unter einer großen Wurzel fündig. Die Stelle war mit auffällig viel Laub und Rinde bedeckt. Hervor hole ich eine, in eine Plastiktüte eingepackte, Tupperdose. Sie ist gefüllt mit viel Krimskrams, wie z.B Schlüsselanhängern oder Ü-Ei-Figuren. Auch ein sogenanntes Logbuch (eine Art Gästebuch) und ein Stift sind enthalten.
In das Logbuch trägt man seinen Besuch beim Cache ein, um zu beweisen, dass man ihn wirklich gefunden hat.
Ich tue das auch und schreibe hinzu, wie mir der Rundgang gefallen hat.

Außerdem darf ich einen Teil von dem Krimskrams mitnehmen. Dafür muss ich aber einen gleich-, oder höherwertigen Gegenstand in die Dose legen.

Info

Den ersten Cache versteckte Dave Ulmer im Jahr 2000, nachdem die US-Regierung die Störung der GPS-Signale deaktiviert hatte und brachte damit einen Stein ins Rollen. Vorher war das GPS-Signal zu ungenau gewesen.
Er versteckte in Oregon einen Eimer mit Krimskrams, Stift und Notizblock, und veröffentlichte die Koordinaten in einer Newsgroup. Lustigerweise ist die einzige Regel, die er damals aufstellte, noch bis heute gültig: "Get some stuff - leave some stuff." Bereits einen Tag später wurde der Cache zum ersten Mal gefunden.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, das Geocaches Lebensretter seien können, aber auch für eine Menge Ärger sorgen können.
Wie geocaching-hamburg.de berichtet, verirrten sich zwei Bergsteiger auf dem Mount Hood.
Sie hatten ein Handy, eine Ortung war aber nicht möglich.
Die beiden fanden aus Zufall einen Geocache, mit den Koordinaten ihres Standpunktes, und konnten ihre Retter so informieren.
Auf der anderen Seite berichtet zum Beispiel Spiegel Online, dass ein Geocache schon Bombenverdacht erregt hat, weshalb der Karlsruher Hauptbahnhof teilweise gesperrt wurde. Die Polizei fahnde nun nach dem "Täter"


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1 Kommentar:


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Name: fairy tale
Kommentar: Wow! Der Artikel gefällt mir total gut! Die Überschrift passt super und macht richtig neugierig und der Artikel selbst ist richtig toll und informativ, besonders die letzten Absätze. Ich hab das selbst einmal gemacht, und es hat wirklich Spaß gemacht, allerdings besitze ich kein Gerät dafür und hab auch leider keine Zeit -.-
Am 09.11.2009, 15:27 Uhr



Aus der 13. Ausgabe vom 07.11.2009