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Warum gucke ich eigentlich Horrorfilme? by Nessy
Foto: "Antonia Mahlke" / www.jugendfotos.de, CC-License(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.deSo richtig, richtig gruselige Filme gucke ich ja überhaupt nicht. Filme wie "Stiller Hügel" oder "Säge". Pah, solche Horrorstreifen machen mir gar keine Angst.
Eben weil ich sie mir erst gar nicht anschaue. Clever, was? Bei mir reicht da schon der "Tatort". Letztens haben die da einen Ritualmörder gejagt. Dieser hat sich nämlich kurzerhand lauter braunhaarige Frauen geschnappt, die alle im März Geburtstag hatten (das mit dem März war sogar wichtig, allerdings habe ich vergessen warum. Mich hat da nämlich so das über den Köpfen der Frauen umher schwingende Metzgerbeil leeeicht abgelenkt). Na auf jeden Fall hat der die dann immer um drei Uhr Nachts eiskalt abgemurkst.
Mein Blick schweift zur Uhr. Und schnell wieder weg. Tic. Tac. Tic. Tac. Fünf vor Drei. Ich bin eine Frau. Ich habe braune Haare. Und ich habe NICHT im März Geburtstag, aber ich bin mir sicher: In meiner Dusche hockt der Ritualmörder und wartet nur darauf, dass ich aufs Klo gehe! Ich weiß natürlich, dass die Geschichte im Fernsehen nur erfunden ist, aber hier meine Theorie: Was ist, wenn sich ganz viele Mörder ausgerechnet diesen Film auch angeguckt haben, die Idee geradezu mörderisch gut fanden und sich jetzt alle in meiner Dusche versammelt haben?!
Gut, man kann davon ausgehen, dass 50% dieser potenziellen Mörder nicht wissen, wo mein Haus wohnt und mindestens 20% bei dem Sauwetter nicht vor die Tür gehen, aber das macht nach Adam Riese immer noch 30%, die übrig sind und jetzt in meiner schönen Dusche lauern! Ich muss das überprüfen! Ich zittere mich also zur Badezimmertür. In der rechten Hand meinen Hamster Willi. Der kann den Mördern notfalls entgegen springen und ihnen das Gesicht zerkratzen! Ha! In der linken Hand mein fettes "Oxford English Dictionary". Wenn ich es auch nur angucke, brummt mir der Schädel, aber wenn ich es dem Mörder erstmal entgegen geschleudert habe ...
Langsam öffne ich die Tür. Ganz automatisch summe ich eine für Horrorfilme typische Spannungsmusik - domdoromdom - und trete ein.
PUH! Ich habe Glück gehabt. Unbeschadet ins Badezimmer bin ich schon mal gekommen. Mein Blick fällt sofort auf die Dusche. Ich sehe eine verdächtige Beule in meinem Duschvorhang mit den süßen, gelben Entchen drauf ... Plötzlich höre ich Schritte hinter mir. OH MEIN GOTT! "Ey!" Mein Herz setzt aus. Ich erwarte schon den Aufprall des Metzgerbeils und wie es meinen Schädel in zwei blutige Teile spaltet ...
"Ich muss mal. Verpiss dich gefälligst!"
Huuu ...
Ich atme erleichtert aus. Spätestens jetzt weiß ich, dass das nur mein Bruder sein kann. Selbst ein Mörder könnte niemals so unverschämt sein wie er.
Und wenn er doch noch unter der Dusche sitzt ... tja, dann soll er sich meinen Bruder doch beim Kacken holen.
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Aus der 6. Ausgabe vom 08.02.2009.
