
Hortense Ullrich im Interview by Nadjen
»Zurück zu Teil 1 des Interviews
Kommen wir nun aufs Schreiben zu sprechen. Da gibt es ja sehr viel, was wir gerne erfahren würden. Wie beginnen Sie ein neues Buch? Schreiben Sie "einfach drauf los" oder denken Sie erst mal über den Inhalt nach?
Hortense Ullrich: Ich konstruiere das Buch von Anfang bis Ende erstmal gedanklich durch. Dann schreibe ich so etwas wie eine Kurzfassung, dann teile ich die Kurzfassung in Kapitel auf und dann fange ich an zu schreiben. Bei dieser Methode ändert sich beim Schreiben immer noch eine Menge, aber man hat ein "Gerüst".
Wenn man nicht weiß, wie das Buch enden soll und einfach drauflos schreibt, ist es eine echte Glücksache, wenn die Geschichte "funktioniert". Wobei auch diese Methode klappt, wenn man genug Zeit hat und immer wieder von vorn anfangen kann. Wenn man jedoch Bücher in relativ kurzer Zeit schreiben muss, ist es besser, man hat vorher ein Konzept.
Jeder Schreibliebhaber hat seine eigene Art zu schreiben. Die einen hören dabei ihren Lieblingssong, die anderen mögen es lieber ruhig. Wiederum andere schreiben "mit etwas Süßem im Mund". Was ist für Sie typisch?
Hortense Ullrich: Da gibt es nichts besonders, ich setze mich hin und schreibe. Das ist mein Job. Allerdings genieße ich es, wenn es ganz ruhig ist und wenn ich ganz alleine im Haus bin. Das entspannt mich und das Schreiben fällt mir leichter.
Wie lange können Sie am Stück schreiben?
Hortense Ullrich: Wenn ich mal schreibe, schreibe ich und vergesse die Zeit. Und im Nu sind vier, fünf Stunden vergangen.
Irgendwann ist bei jedem Autor Schluss. Dann geht einfach gar nichts mehr. Haben Sie manchmal mit Schreibblockaden zu kämpfen? Was machen Sie dann? Haben Sie besondere Tipps?
Hortense Ullrich: Tatsächlich (jetzt klopfe ich gerade auf Holz) hab ich noch keine echte Schreibblockade gehabt. Ich hab manchmal keine Lust zu schreiben. Wenn ich dann keinen Termindruck habe, dann schreibe ich auch nicht, sondern räume auf oder so. Wenn ich jedoch unter Zeitdruck stehe, setze ich mich einfach hin und schreibe halt. Die Laune kommt dann meist beim Schreiben.
Deshalb, mein Tipp bei Schreibblockaden: Einfach drauflos schreiben. Schreibblockaden bekämpft man mit Schreiben. Ebenso die Angst vor dem leeren Blatt Papier. Dabei ist es erstmal ganz egal, was man schreibt, das können Dinge sein, wie: "Ich sitze hier am PC und mir fällt nix ein." Man kann schreiben, was man so denkt, gefrühstückt hat oder worüber man sich aufregt, egal, Hauptsache man schreibt. Und dann ganz langsam löst sich der Block und man kann seine Geschichte schreiben.
Haben Sie bestimmte Schreibtipps für Nachwuchsautoren?
Hortense Ullrich: Schreiben, schreiben, schreiben. Kritisch durchlesen, korrigieren, neu schreiben. Und nicht aufgeben! Fleiß ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg. Das darf man nicht unterschätzen. Schreibt über Dinge, die ihr kennt, selbst erlebt habt, das ist leichter und wirkt glaubwürdiger.
Zurück zu Ihren Büchern. Welche Bücher werden Sie noch schreiben? Was werden wir in nächster Zeit neues von Ihnen zu lesen bekommen?
Hortense Ullrich: Also, es geht weiter mit Jojo, da kommen noch ein paar Bände. Für die "Pepper Sisters" und "PinkMuffin@BerryBlue" schreibe ich gerade den nächsten Band, bei den Pepper Sisters ist es Band 3 und bei PinkMuffin Band 7.
Dann kommt im Oktober ein Buch, "Schlaflos in Hamburg", das ich zusammen mit meiner Tochter Allyssa geschrieben habe (nicht zu fassen, wie schnell das Kind erwachsen wurde) und dann habe ich noch zwei weitere Buchprojekte, die höchstwahrscheinlich im nächsten Jahr realisiert werden.
Noch ein paar letzte Fragen habe ich an Sie.
Wieso geht es in Ihren Büchern meist so "chaotisch" zu?
Hortense Ullrich: Da Chaos für mich der Alltag ist und ich meist eigene Erlebnisse beim Schreiben verwerte, liegt es nahe, dass das Leben meiner Buch-Heldinnen auch meist chaotisch verläuft. Außerdem macht es mir Spaß, mir absurde, schräge Dinge auszudenken.
Welches Ihrer Bücher finden Sie besonders gelungen - und warum?
Hortense Ullrich: Hm. Schwere Frage. Irgendwie neigt man immer dazu, das zuletzt geschriebene Buch am Besten zu finden. Aber wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, würde ich wohl Pepper Sisters nehmen, weil es temporeich und ziemlich abgefahren ist. Und weil es gerade als perfektes Beispiel in die Liga der "Chick Lit" Bücher aufgenommen wurde.
Was ist Ihr Lieblingsbuch? Sind Sie eher Fan von preisgekrönten Autoren oder lesen Sie auch Bücher von noch nicht so bekannten Autoren?
Hortense Ullrich: Ich hab kaum Zeit zum Lesen, und wenn, sind es eher "Außenseiter", Autoren, die eine ungewöhnliche Idee, einen pfiffigen Plot ins Zentrum ihres Buches stellen. Neues, Ungewöhnliches, Überraschendes interessiert mich. Und wenn es dann auch noch witzig ist und ich beim Lesen lachen muss, ist es das perfekte Buch für mich.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Hortense Ullrich: Weltfrieden. Und das gleich drei Mal.
Ihre persönliche Nachricht an alle Nachwuchsautoren:
Hortense Ullrich: Solange euch das Schreiben Spaß macht, schreibt und lasst euch nicht beirren!
Vielen Dank für das Interview!
Aus der 20. Ausgabe vom 20.06.2010