"I am what I am" by Sandimausi


Ich schlage vor kurzem unsere Fernsehzeitung auf, in der sich immer auch einige äußerst interessante Berichte befinden und mir fällt sofort der Artikel "Endlich Kurven: Schönheit kennt keine Kleidergröße" ins Auge. Wie ein hungriger Tiger, dem ein Stück Fleisch vorgeworfen wird, beginne ich zu lesen.

Gut, vielleicht bin ich bei diesem Thema etwas empfindlich und übereifrig. Aber das muss man bei Kleidergröße 38, die ich trage, wohl auch sein. Besonders, wenn man in ein Bekleidungsgeschäft geht und die ab Größe 36 nichts mehr führen. Oder die 38, die man will, in Wahrheit eine 34 ist und sie wohl nur das Kleiderschild vertauscht haben. Und, sind wir ehrlich, bevor wir eine größere Größe nehmen, gehen wir lieber nackt.

Auf jeden Fall hab ich mich auf diesen Artikel gestürzt, der von einer Fotostrecke handelt, die in der US-Modezeitung "V Magazine" veröffentlicht wurde. Der erste Teil trägt das Thema "One Size", also eine Größe: Darin werden ein normales Model (also ungefähr Größe 30-32) und ein Plus-Size-Model (ca. 38-40) gezeigt, die dieselben Klamotten tragen. Und, welch Wunder, plötzlich ist da Platz für Hintern und Busen. Nicht nur einen angedeuteten, der mit einem Push up gerade mal auf ein A-Körbchen getrimmt wird, sondern einem richtigem. Die zweite Fotostrecke der Serie zeigt spärlich bekleidete Models, die offensichtlich sichtbare Speckröllchen mit sich herumtragen. Und, da kann man sagen, was man will, ich find die eigentlich echt hübsch. Gut, wahrscheinlich würde ich mich selbst in solchen Klamotten, in solchen Posen nie hübsch finden und immer wieder was zu meckern finden, doch wenn ich mir die Fotos dieser Models ansehe, finde ich sie schön. Sie strahlen für mich Weiblichkeit aus. Und Mut. Denn wie oft wird einem in dieser Welt eingeredet, man wäre nicht gut, so wie man ist. Die Modeindustrie schreibt einem vor, welche Größe richtig ist, wie viel Hintern schön und ab wann man einfach "fett" ist. Selbst das andere Geschlecht versucht einem gelegentlich einzureden, wie man sein soll. Vom gleichen Geschlecht gar nicht zu reden. Da bekommt schon mal die Tante Angst, die 16-jährige Nichte könnte vielleicht nie einen Mann finden, weil ihr Hintern und ihr Bauch zu groß sind und sie momentan keinen festen Freund hat. Niemand kommt je auf den Gedanken, dass diese Menschen vielleicht glücklich sind,so wie sie sind.

Ich meine natürlich nicht, dass Menschen mit 150 Kilo Gewicht einfach nichts tun sollten, schließlich geht es um ihre Gesundheit. Und ich will auch mit keinem Wort behaupten, dass dünne Menschen nicht schön seien, es sei denn, sie sind magersüchtig. Ganz im Gegenteil, ich will eigentlich nur sagen, dass jeder Mensch schön sein kann, und ich denke, dass es nur auf eine gewisse Ausstrahlung ankommt. Und ich will behaupten, dass es eine ganz schöne Abwechslung wäre, wenn die Designer mal Kleidung für alle Größen produzieren würden. Für ein bisschen Abwechslung auf dem Laufsteg. Auch ein amerikanisches Model forderte schon mehr Vielfalt auf dem Catwalk.
Die Modestrecke hat im Internet eine Unzahl Diskussionen zu dem Thema losgetreten, an der sich sogar die New York Times und die Herald Tribune beteiligt haben.

Ich für meinen Teil hoffe einfach nur darauf, dass sich das Bewusstsein der Bevölkerung etwas ändert. Ich hoffe darauf, dass jeder sieht, dass jeder schön sein kann. Ob dick, dünn, schwarz, weiß, groß, klein, Mann, Frau. Und bis dahin, sagen wir uns einfach: "I AM WHAT I AM!"

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Aus der 16. Ausgabe vom 21.02.2010