
Interview mit Dr. Dirk Moldenhauer von iRead Media
by Klappacom
Im Rahmen der Reihe "Das Buch 2.0" habe ich mich schon in der letzten Ausgabe auf der Frankfurter Buchmesse umgesehen, wo die Buchwelt sich nach außen präsentiert. Mit diesem Interview werfe ich nun einen Blick hinter die Kulissen und frage jemanden aus dem Mediengeschäft nach seiner Meinung.
Plagafolium: Wie kann man sich die Arbeit in Ihrer Agentur iRead Media vorstellen?
iRead Media besteht mittlerweile schon aus 4 Personen - wer neu hinzugekommen ist, findet man (natürlich) im Internet auf iread-media.de. Wir sitzen aber nach wie vor in unserem Büro in Hamburg-Winterhude.
Unser Geschäft besteht darin, internetbasierte Werbekonzepte für Buchverlage zu entwickeln. In der Regel läuft es so ab: ein Buchverlag meldet sich und beauftragt uns damit, ein Online-Marketing-Konzept für ein bestimmtes Buch oder ein Programmsegment zu entwickeln und dieses anschließend - wenn das Konzept gefällt - umzusetzen. Um eine bestmögliche Qualität zu gewährleisten, arbeiten wir mit einer Vielzahl von Spezialisten zusammen: Webdesigner, Videoproduzenten, Programmierer, Werbevermarkter. Wir stehen dem Kunden gegenüber dafür ein, dass die Idee am Ende tatsächlich funktioniert und dem Kunden einen klar messbaren Erfolg liefert. Das ist - wenn man so will - der Kern der Marke iRead Media.
Plagafolium: Wie kam es dazu?
Meine Geschäftspartnerin und ich haben sich vor 3 Jahren mit dem Ziel selbständig gemacht, zwei vermeintlich gegensätzliche Dinge wie Internet und Bücher miteinander in Einklang zu bringen. Diese Spezialisierung auf die Buchbranche lag auf der Hand, waren wir doch beide langjährig in verschiedenen Buchverlagen tätig - zuletzt zusammen bei Rowohlt.
Plagafolium: Welche Rolle spielt die Plattform hierschreibenwir.de (HSW)?
Interessante Frage! HSW war nämlich der eigentliche Antrieb dafür, dass wir uns überhaupt selbständig gemacht haben. Wir waren fest davon überzeugt, dass junge Leser Lesen und vor allem Schreiben immer stärker mit den Vorzügen des Mediums Internet verknüpfen werden - und wollten eine Brücke zwischen ihnen und den Verlagen bauen. In den Verlagen weiß man ja leider relativ wenig von seinen Lesern, weil der direkte Kontakt zum Produkt Buch in der Regel über die Buchhandlungen zustande kommt. Das fanden wir schade, denn beide Seiten wünschen sich in der Regel mehr Infos vom anderen. Da wir an den Strukturen nichts ändern können, gingen wir auf die Reise zu neuen Welten und erfanden HSW. Heute sind wir sehr froh darüber, denn wir konnten dadurch sehr viel über die neuen Kommunikationsformen und Nutzerinteressen lernen und sehen fasziniert [...] wie rasant nicht wenige unserer Mitglieder ihre handwerklichen Fähigkeiten perfektioniert haben.
Plagafolium: Wie wird versucht, die User (von HSW) weiterhin zu binden?
Unser Hauptziel ist es nach wie vor, auf HSW attraktive Kooperationen mit geeigneten Verlagen durchzuführen, durch die unsere Mitglieder in ganz engen Kontakt zu den Autoren treten und zum Teil sogar die Produktion des Buches bzw. die Begleitmaßnahmen aktiv mitgestalten können (siehe z.B. das tolle Fanmagazin für Artemis Fowl 6). Diese Art der Kooperation wird im nächsten Jahr eine neue Dimension erreichen - mehr wird aber noch nicht verraten.
Zusätzlich werden wir in 2010 nun endlich den lange angekündigten Totalumbau der Seite vornehmen und unseren Mitgliedern anschließend eine Vielzahl toller neuer Funktionen bieten können. Der neue Server steht schon bereit
Plagafolium: Das Internet ist zumeist ein sehr kurzlebiger und hektischer Ort. Spiegelt sich das in Marketingkonzepten wider?
Ja und nein. Ja, weil wir oft in sehr kurzer Zeit ein kreatives und doch machbares Konzept entwickeln müssen - z.B. für nicht geplante Neuerscheinungen. Nein, weil die grundsätzlichen Regeln von Werbung und Kreativität auch im Internet ihre Gültigkeit besitzen. Es ist zwar ein anderes Medium, doch das Marketing kann hier durchaus auf gleichen Mechanismen aufbauen wie etwa im TV: siehe den Siegeszug des Videos oder der Preisvergleichsportale. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zum Zeitalter der Massenmedien: die Kunst besteht heutzutage darin, dem Nutzer Werbung genau dort vorzuspielen, wo er am ehesten aufgeschlossen gegenüber Zusatzinfos ist. Wenn jemand auf einer Autoplattform nach einem Auto einer bestimmten Automarke sucht, keinen Erfolg hat, verärgert die Seite verlassen will und in diesem Moment Werbung für die große Herbstaktion eben dieser Marke oder diesbezüglich zumindest von einer Versicherung mit niedrigeren Tarifen - dann ist er doch dankbar dafür, oder? Diese Schnittmenge zwischen den Interessen des Kunden und des Werbungtreibenden lässt sich im Internet dank neuester Technologien besser herstellen als je zuvor.
Plagafolium: Was für einen Eindruck haben Sie vom Buchgeschäft? Welchen Einfluss werden digitale Medien in Zukunft auf das "antike Buch" haben?
Interessanterweise ist der deutsche Buchmarkt in den letzten Jahren unglaublich stabil geblieben, und noch interessanter ist, dass sich vor allem der Kinder- und Jugendbuchmarkt sehr gut entwickelt hat - natürlich dank Harry Potter und Twilight, aber nicht nur. Das würde man auf den ersten Blick nicht erwarten angesichts des hohen Zeitanteils, den potentielle Leser im Netz (vor allem in den großen Netzwerken) verbringen. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass in der heutigen Zeit der "Bildschirmüberflutung" das Lesen eines "antiken Buchs" noch mehr für Entspannung und "offline-sein" sorgt als vor 10 Jahren? Vielleicht wird sich diese "Sehnsucht nach dem Analogen" noch verstärken, gerade bei Leuten deiner Generation?
Die digitalen Medien sind vor allem für die Vermarktung von Büchern und die Kommunikation darüber wichtig, das ist schon jetzt ganz klar. Menschen wollen Bücher möglichst von überall aus bestellen können und sich anschließend darüber austauschen. Dass dieser Trend immer stärker wird, stellen wir seit der Gründung von HSW oder zuletzt von Piper-Fantasy.de fest.
Plagafolium: Wie sehen Sie die Zukunft von modernen Lesegeräten, sog. E-Readern (mehr dazu auch in der nächsten Ausgabe)?
Wir glauben nicht, dass diesen speziellen Readern eine glänzende Zukunft beschieden ist. Der Mensch ist zu sehr Gewohnheitstier, als dass er sich für jede Mediennutzungs- oder Kommunikationsart ein eigenes Gerät zulegen würde. Vergleicht man die Lesegeräte einerseits mit dem iphone, andererseits mit den immer besser werdenden Netbooks, wird rasch klar, dass der Mehrwert jeder der beiden Geräteklassen deutlich größer ist als der der momentan vorhandenen e-Reader (direkte Internetanbindung, farbiger Bildschirm, integrierte Kommunikation). Wenn sich hier nichts Grundlegendes tut (siehe z.B. die Experimente mit folienähnlichen Geräten), wird entweder das iphone oder das Netbook das Rennen machen.
Plagafolium: Vielen Dank für das Interview!
Foto: iRead Media
1 Kommentar:
1
Name: PhilippKommentar: Das ist wirklich ein sehr gutes Interview. Hier gibt es ziemlich viele nützliche Infos - auch ein wenig über die Zukunft von HSW (wozu es ja sehr lange nichts mehr gab. Das klingt ziemlich vielversprechend. Auch wenn es so schon öfter klang. Aber das ist was anderes).
Aber auch das über die Zukunft des Buches ist interessant. Sogar so interessant, dass ich es in einer Arbeit verwenden könnte ;) Wenn es denn passt und gestattet ist.
Ich glaub, hinter dem Fragensteller steckt der Fragensteller von bald schon. Sehr schön und weiter so (genug Lob jetzt).
Am 28.12.2009, 15:56 Uhr
Aus der 14. Ausgabe vom 06.12.2009