
Und die Kamera läuft weiter by Julia
Der Unfall des 23-jährigen "Wetten dass ...?" -Kandidaten Samuel Koch schockierte die Öffentlichkeit. Am Samstag den 4.12.2010 verletzte sich der junge Mann bei einer waghalsigen Wette. Sein Gesundheitszustand ist noch immer kritisch, noch ist nicht klar, ob er jemals wieder vollständig genesen wird. Es ist sogar möglich, dass die davongetragenen Lähmungen von Dauer sein werden.
Nach dem schrecklichen Unfall waren zunächst viele anwesende Zuschauer betroffen von den Ereignissen. Jedoch nicht alle. Einige Zuschauer zückten ihre Handys, um ein Foto des Verletzten zu erhaschen. Auch Videos wurden gedreht, die man auf Internetseiten wie "Clipfish" oder "Youtube" wieder finden kann. Nicht einmal die Internetpräsenz einer großen deutschen Tageszeitung macht vor der Privatsphäre des jungen Mannes halt. Auch dort sind die Bilder des Schwerverletzten zu sehen. Es stellt sich nur eine Frage: "Warum?"
Shakespeare schrieb in seinem Werk "Hamlet", dass die Technologie aus allen Menschen Voyeure macht.
Und wenn man sich die neusten Ereignisse vor Augen führt, ist Shakespeare Recht zu geben.
Anstatt auf die Gefühle der Angehörigen Kochs Rücksicht zu nehmen, werden Videos von dem Unfall rasend schnell verbreitet. Die Öffentlichkeit ist nicht länger nur ein machtloses Instrument, welches die Medien lenken können, wie es ihnen gefällt. Nein. Die Öffentlichkeit ist längst nicht mehr nur Beobachter. Durch das Internet und Handys kann sie sich aktiv in die Berichterstattung mit einbringen. Es wird sogar von manchen Boulevardmedien gefordert, indem sie die Menschen dazu aufrufen, sich als Leserreporter zu betätigen.
Tragen also nun die neuen Medien Schuld an der immer größeren Einmischung in die Privatsphäre, wie im Fall Koch?
Dies lässt sich nur schwer beantworten, da letztendlich jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er sich diese Bilder ansieht oder nicht.
Jeder muss sich selbst die Frage stellen, was er von der Aufnahme eines solchen Videos hat. Letztendlich muss sich jeder Mensch fragen, was für ihn Menschenwürde bedeutet und ab wann sie verletzt wird.
Jedoch ist es als Nichtbetroffener einfach zu sagen, dass jeder selbst entscheiden muss, ob er sich die Bilder anschaut oder nicht. Was wäre, wenn man nun selbst das Opfer wäre und sich nun jeden Tag im Internet von Millionen Menschen anschauen lassen müsste? Man würde anders darüber denken und nicht ohne Grund gibt es einen journalistischen Kodex. Mehr Seriösität und Moral in vielen Medien wären ein besserer Weg ...
1 Kommentar:
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Name: ayaKommentar: naja ich denke das Problem bei solchen Unfällen live im Fernsehen ist einfach, dass jeden interessiert, was passiert ist. Ich selbst habe den Unfall auch nicht gesehen und ich muss ehrlich zugeben, dass ich auch gern wissen wollte, wie es dazu kam. Leider wird hierbei wie schon erwähnt, nicht viel Rücksicht auf den Menschen genommen. Ich glaube die Ich glaube momentan ist der Egoismus einfach größer, als der Respekt vor der Privatsphäre.
Am 19.12.2010, 19:55 Uhr
Aus der 24. Ausgabe vom 19.12.2010