"Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve rezensiert
by Melanie


Die 30-jährige Protagonistin Anne Strelau sitzt im Flugzeug auf dem Weg zu ihrer großen Liebe Peter Hemstedt, um ihrer 12 Jahre andauernden, bislang unerwiederten Sehnsucht ein Ende zu setzen. Unterwegs rekapituliert sie ihr Leben voller Tiefpunkte und Gewichtsprobleme.

Angefangen mit einer verrückten Kindheit, in der sie mit ihrem besten Freund Frösche mit Tesa verarztet hat, entwickelt sich Annes Leben zu einem von Jungen bestimmten Chaos.
Ihre Gefallsucht und der meist daraus resultierende Frust treiben sie von einer Essstörung in die nächste. Seien es Magersucht, Übergewicht, Tablettensucht, eine gerade noch verhinderte Vergewaltigung oder eine Therapie - Anne hat in ihrem bisherigen Leben einiges durchgemacht, hatte unzählige Freunde und Sexpartner und hat dabei die ganze Zeit nur Peter Hemstedt geliebt.

Jetzt legt sie all ihre Hoffnung in den Besuch bei ihm, der für sie die einzige Chance darstellt, ihr Leben zum Guten zu wenden. Bisher hatte sie sich jedoch verboten glücklich zu sein, da das bedeute, dass man etwas zu verlieren habe. Stattdessen scheint Anne in ihrer kompletten Jugend eine Neigung dazu gehabt zu haben, das zu tun, wogegen sie eine Abneigung hat, beziehungsweise wozu gewisse Jungen eine Neigung haben. Sie folgt deren Interessen und Vorstellungen und schaltet dabei ihren eigenen Willen oft völlig aus. Annes Selbstbewusstsein ist nicht vorhanden und ihre Minderwertigkeitsgefühle sind beinahe abartig, aber vor allen Dingen oft abartig witzig. Ihre Gedanken und Handlungen sind oft so verrückt, dass sich wohl kein normaler Mensch damit identifizieren kann. Der in dern krassen, unbeschönenden Erzählsweise mitschwingende Appell ist jedoch für jeden nachvollziehbar: Man zerstört sich sein eigenes Leben, wenn man nicht zu sich selbst steht und alles nach Anderen, in diesem Fall nach den Meinungen der Jungen, ausrichtet.

Dass manche Handlungsstränge einfach "abbrechen" und die Handlung allgemein manchmal beinahe chaotisch ist, wäre in jedem anderen Buch störend. Hier passt es perfekt zum verworrenen Charakter der Protagonistin. Dieser Roman ist nicht umsonst ein Spiegel-Bestseller.

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Aus der 17. Ausgabe vom 28.03.2010