
Folge 1 by cutiepie
Singapur. Für viele nur ein exotischer Wortklang. Singapur. Ein Name, der auf vielen Anzeigetafeln des Frankfurter Flughafens steht. Singapur. Für mich, seit meinem 5. Lebensjahr, Heimat.
Der Merlion: Wahrzeichen SingapursIch war erstaunt, als ich das erste Mal diese kleine Insel südlich von Malaysia, nördlich des Äquators betrat.
Ich war erst fünf Jahre alt, als ich irgendwann erfuhr, dass wir umziehen würden. Wie ich mich gefühlt habe? Das weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich nur noch, wie wir mit dem Auto zum Flughafen fuhren, es war Sommer und zum Abschied war ich mit einer Freundin im Palmengarten gewesen. Nun würde ich zum ersten Mal den richtigen Lebensraum von Palmen betreten.
An den Flug erinnere ich mich nur noch undeutlich, umso mehr jedoch an meine ersten Eindrücke. Es fing mit dem stark klimatisierten Flughafen und dem Teppichboden mit den Orchideen an, der mich faszinierte. Dann die vielen Sicherheitsleute und die Frau mit dem Kopftuch an der Passkontrolle. Schließlich denke ich daran, wie ich zum ersten Mal aus der Glastür des Flughafens trat. Sofort umhüllte mich stickige Schwüle und ich merkte, dass die Luft anders roch. Sie war schwerer zu atmen und sie war sehr feucht. Sofort sammelten sich Schweißperlen auf meiner Stirn. Wir stiegen in ein MaxiCab, ein großes Taxi und dann gings los. Während der ganzen Fahrt klebte ich am Fenster und starrte hinaus. Was mir als erstes auffiel, waren die vielen, vielen Pflanzen. In der Mitte von zwei Straßen wuchsen Sträucher mit rosa Blüten, Bougainvillea. Neben den Straßen schossen riesige Bäume und Palmengewächse in die Höhe. Und alles war grün.
In den nächsten Wochen versuchte ich mich in Singapur einzuleben. Wir lebten in einem Serviced Apartment, einer möblierten Wohnung. Unsere Container brauchten noch ein wenig bis Singapur. So lange mussten wir also in einer Art 'Hotel' leben. Dies hatte den Vorteil, dass wir jeden Tag im Pool schwimmen gehen konnten. Eine schöne Erfrischung.
Das Klima war fast jeden Tag gleich: Warm und schwül. Ab und zu goss es plötzlich nach ein paar Donnerschlägen furchtbar - meinen ersten singapuranischen Regen erlebte ich im Botanischen Garten. Die ganze Familie zwängte sich unter zwei Regenschirme, aber man kann singapuranischen Regen nicht mit deutschem vergleichen. Er ist stärker, viel stärker. Im Nu färbte sich der Himmel dunkel, dann fielen zunächst ein paar Tropfen auf den Schirm, die immer mehr und schneller wurden, im nächsten Moment prasselte der Regen unbarmherzig auf uns herab. Meine Sandalen und Klamotten waren vollständig durchnässt, Wind und Regen kämpften gegen uns an, Blätter an Bäumen wurden umhergewirbelt. Was für ein abenteuerliches Ereignis für mich. Sofort verliebte ich mich in diese Stadt.
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Aus der 19. Ausgabe vom 23.05.2010