
"Mauerblümchen" von Holly-Jane Rahlens
rezensiert by Nadjen
Unsichtbar, traurig, nachdenklich, schüchtern ...
alles Eigenschaften, die einem bei diesem Titel einfallen.
Sicher, sie treffen auf die Hauptperson von Holly-Jane Rahlens Buch zu,
aber Mauerblümchen ist in diesem Fall zweideutig ...
November 1989. Wem sagt dieses Datum nichts?
Es ist eines der prägendsten Ereignisse in Deutschland.
Der Mauerfall.
Aber wie war es damals? Was erlebten die Menschen? Die aus dem Westen, die zum ersten Mal den Osten nach dem Mauerfall sahen. Was dachten sie sich?
Wie fühlte es sich an, in diesem Zeitraum ein Ostdeutscher zu sein?
Wie es damals war, im November 1989, erzählt die Jugendliteraturpreisträgerin Holly-Jane Rahlens in ihrem Roman "Mauerblümchen" sehr anschaulich, verständlich und spannend.
Molly ist eigentlich Amerikanerin. Jedenfalls wurde sie dort geboren. Seit längerer Zeit lebt sie aber zusammen mit ihrem Vater in Deutschland. Genauer in West-Berlin. Sie hat sogar den Mauerfall mitbekommen. Mehr oder weniger.
Molly, die meiner Meinung nach ein sehr besonderes Mauerblümchen ist, macht sich an jenem Tag, zwei Wochen nach dem Mauerfall, auf den Weg nach Ost-Berlin.
Das Buch handelt nur von dieser eintägigen "Reise".
Eine Reise nach Ost-Berlin.
Eine Reise in eine neue und bisher unbekannte Welt.
Eine Reise in Mollys Gefühlswelt.
Dieses Abenteuer ist sehr interessant und spannend, denn Molly begegnet nicht nur dem fremden Ost-Berlin. Sondern auch dem Ostberliner Schauspielstudenten Mick.
Ich verrate euch eins: Nicht alles ist anders, als man es sich vorstellt, aber vieles. Und es können viele unerwartete Dinge an einem Tag wie diesem passieren.
Aber was Molly dank ihm oder besser wegen Mick alles an diesem einen Tag erlebt, das dürft ihr selbst nachlesen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist aus Mollys Sichtweise geschrieben. Ich finde das Buch sehr gut geschrieben, es hat mir sehr viel Klarheit über den Mauerfall und die damals herrschenden Bedingungen in Berlin gebracht. Es ist , als ob man selber durch Ost-Berlin laufen und neue Erfahrungen sammeln würde.
Immer, wenn ich das Buch in die Hand nahm und anfing zu lesen, fühlte es sich an, als ob ich eine Zeitreise in die unbekannte, aber bewegende Zeit von Deutschland und vor allem Berlin machen würde. Es ist so aufregend zu erfahren, wie damals Westen und Osten sich unterschieden, wie das Leben im Osten war, vor und nach dem Mauerfall. Das Buch hat mich sehr beeindruckt, und ich würde es allen empfehlen, die mehr über den November 1989 erfahren wollen.
Aus der 20. Ausgabe vom 20.06.2010