Folge 1 by Melanie


Was letzten Monat im Musikbusiness los war? Kanye West! Eigentlich ist er Rap-Star, man könnte jedoch meinen, sein Traumberuf wäre Jurymitglied bei den MTV Video Music Awards. Blöderweise besteht diese Jury im Moment nicht aus solchen Videokunstfanatikern wie ihm. Die Gewinner werden durch Onlinevoting ermittelt. Das hindert West jedoch nicht daran seinen Senf dazuzugeben. Seine Aktion bei der diesjährigen Awardshow ging wie eine Welle durch die Medien. Als Taylor Swift für "Best female Video" ausgezeichnet wird, marschiert er auf die Bühne. Während Swift vor Überwältigung gerade keine Worte findet, übernimmt einfach West das Wort. Er verkündet, dass Beyoncé, die auch nominiert war, eines der besten Videos aller Zeiten habe, zuckt mit den Schultern und verlässt die Bühne wieder. Das Ergebnis: Buh-Rufe für Kanye und mitleidige "Taylor"-Rufe über die restliche Show verteilt. Mittlerweile soll ihm die ganze Sache peinlich sein. Dabei hat er schon Fortschritte gemacht. Diesen Einsatz für Beyoncé könnte man ja fast noch sympathisch finden. Bei den MTV Europe Music Awards 2006 hat er eine ähnliche Aktion gebracht, nur peinlicher, schlimmer, arroganter. Damals ist er auf die Bühne marschiert, um sich zu beschweren, dass nicht ER den Preis für "Best Video" gewonnen hat, sondern Justice. Er verkündete ernsthaft, dass die Award Show dadurch an Glaubwürdigkeit verliert. Seine Videos sind wirklich immer relativ ausgefallen und innovativ - das muss man zugeben. Aber muss er sich deshalb gleich so aufspielen? Und wieso bringt er die Aktion 2009 in ähnlicher Form nochmal, obwohl er schon 2006 heftige Kritik für seinen Ausraster geerntet hat? Eins muss man ihm lassen - er hat großes Talent dazu, weltweiten Massenmedien Schlagzeilen über ihn aufzuzwingen. 2007 hat er einen Gleichgesinnten gefunden - 50 Cent. Die Veröffentlichung von Wests neuem Album wurde auf den Tag verlegt, an dem auch Fiddys neues Album erscheinen sollte. Dieser ist dann so weit gegangen, zu verkünden, dass er das Mikrofon an den Nagel hängt, wenn West mehr Alben verkauft. Und schon war ein Medien-Battle eröffnet, das seinesgleichen sucht. Schlagzeile über Schlagzeile und nach Wests Vorschlag sogar eine Art TV-Duell folgten. Wie sehr 50 Cent ihm gleichgesinnt ist, konnte man dann erfahren - Übermut seinerseits hoch zehn. Bei so viel ständigem Übermut sollte eigentlich keiner von beiden dafür belohnt werden, finde ich. Schaut man sich allerdings Kanyes sonstige Erfolge an, muss man fast zugeben, dass es dabei schwer ist, auf dem Boden zu bleiben: Grammys, BET-Awards, Video Music Awards, Nummer 1 Hits, erfolgreiche Arbeiten als Produzent für Größen wie Michael Jackson ... Da hat er zusätzliche Schlagzeilen doch gar nicht nötig. Er sollte einfach einmal nach einer tieferen Bedeutung dafür suchen, dass er für "Touch the sky" den Video Music Award nicht gewonnen hat. Dann kommt er vielleicht demnächst auf die Idee, dass Abgehobenheit echt unsympathisch ist und er sich neben viele andere erfolgreiche Stars zurück auf den Erdboden gesellen könnte.

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Aus der 12. Ausgabe vom 11.10.2009