Warum machen die das? by Klappacom


Warum sind die besten Sendungen in der Nacht?


Fernseher am BodenFoto: "Artur Krutsch" / www.jugendmedien.de, CC-Lizenz(by)
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de

Häufig wird das deutsche Fernsehen gelobt. Einzigartig in der Welt sei es mit seiner Aufteilung in staatliches Fernsehen, privatem Fernsehen und ein bisschen Pay-TV.
Mittlerweile ist allerdings eine Kluft entstanden, die manchem gar keine Lust mehr aufs Fernsehen macht:
Privates Fernsehen hat zumeist jegliches Niveau aufgegeben. RTL-Formate wie "Das Supertalent" oder "Deutschland sucht den Superstar" erfordern einen hohen Grad an Abgebrühtheit bei dem hohen Ekel-Faktor. Das nennt sich dann "Zielgruppenfernsehen" für die 14 bis 49-jährigen. Ähnlich kurios sind auch "Bauer sucht Frau" oder die Raab-Events beispielsweise mit der "Stock Car Crash Challenge". Hinzu kommen noch zahlreiche Scripted Reality-Sendungen.

Auf der anderen Seite sind die staatlichen Sender, die mit Inga Lindström, Schwarzwaldhof, Carmen Nebel und Hansi Hinterseer auf eine ganz andere Weise junge Zuschauer abschrecken.
Kurz gesagt, der "normale Zuschauer" wird eigentlich vergessen. Der Zuschauer, der nicht Bauer XY beim Baden zusehen möchte und der bei "Das Tal der Rosen" oder ähnlichem einschläft. Was bleibt noch? Nun, da wäre noch das Nachtprogramm.

Über die Fernsehgebüren fließen jedes Jahr Millionen zu Sendern wie ARD oder ZDF. Nun, es gibt immer mehr alte Menschen in der Republik; der demographische Wandel passiert. Entsprechend gibt es immer mehr Musikantenstadl & Co. Dennoch haben ZDF und ARD noch nicht ganz aufgegeben. In der Weihnachtszeit griff beim ZDF in den letzten Jahren häufig ein merkwürdiges "Phänomen" um sich: Sämtliche Sendeplätze wurden für Filme wie "Harry Potter" oder "Herr der Ringe" geräumt. Aber diese Zeit ist eh eine der wenigen, in der es so viele interessante Sendungen gibt, dass man tragischerweise gar nicht alle gleichzeitg sehen kann. In den restlichen 48 Wochen des Jahres muss man dafür ins Nachtprogramm ausweichen, denn dort "verwursten" die staatlichen Sender regelmäßig richtige Schätzchen: Ein Beispiel: die Free-TV-Premiere des aufwändigen Historienfilms "Elizabeth - Das goldene Königreich" mit Starschauspielern Cate Blanchett, Clive Owen und Geoffrey Rush lief am 02.04.2010 um 23:00 Uhr. Ein weiteres Beispiel vom ZDF: "Casanova" mit Heath Ledger und Sienna Miller lief auch erst um 22:15. Die nette Show "Götz Alsmanns Nachtmusik" mit Gästen wie Katie Melua oder Jamie Cullum kommt ebenfalls, wie der Name schon sagt, spät nachts. Aber auch die ARD "kann sowas": So lief "Jurassic Park" dort gleich mehrmals im Nachtprogramm und der Film "Terminal" mit Tom Hanks und Catherine Zeta-Jones mal um 22:45 Uhr.
Nun, auch diese Sendungen sind selbstverständlich nicht nach jedermanns Geschmack - aber was bewegt die Sender zu solch merkwürdigen Programmierungen? Eine Free-TV-Premiere um 23:00 - das kostet viel Gebührengeld für die Sendelizenzen und bringt wenig Zuschauer.
Die Strategie, das normale Abendprogramm zu veröden und später interessante Sendungen zu bringen ist nicht neu. Aber sie wird immer unverständlicher.
ARD-Redakteur Knoop zum Medienmagazin DWDL.de: "Wir können auch auf diesem Sendeplatz ein ordentliches Ergebnis erzielen, schonen die Filme für die weitere Ausstrahlung im kommenden Jahr und lassen keine Rechte verfallen, für die wir bezahlt haben".
Dem Umstand entsprechend, dass auch viele Sendungen im Nachtprogramm laufen, mit denen die staatlichen Sender angeblich ihren "Bildungsauftrag" erfüllen, wirkt es, als wolle man diese am liebsten gleich fallen lassen. Hat ja niemand zugeschaut.

»Einen Kommentar schreiben


Aus der 23. Ausgabe vom 31.10.2010