
Oskar Schindler by Lauriii.
Der Unternehmer Oskar Schindler bewies in der Zeit des zweiten Weltkrieges eine leider viel zu seltene Heldenhaftigkeit, die schätzungsweise 1200 Juden vor dem Tod bewahrte.
Seine Geschichte ist nicht die eines klischeehaften Widerstandskämpfers, der selbstlos durchs Leben schritt und jedem half, an dem er vorbeiging, ganz im Gegenteil. Schindler war ein Kriegsprofiteur, der ohne die damaligen Geschehnisse vermutlich nicht zu dem Reichtum gelangt wäre, den er am Höhepunkt seiner beruflichen Karriere besaß. Dennoch vermochte er es als einer der wenigen bedeutenden Persönlichkeiten inmitten des Krieges Werte wie Mitgefühl und Menschenwürde nicht zu vergessen und sein eigenes Wohl nicht über das vieler anderer zu stellen.
Am 28. April 1908 wird Oskar Schindler in Zwittau, dem heutigen Svitavy in Tschechien, als Sohn eines Kleinunternehmers geboren. Später absolviert er in der Fabrik seines Vaters, die landwirtschaftliche Maschinen herstellt, eine Ausbildung zum Ingenieur.
Im Alter von 20 Jahren heiratet er Emilie Pelzl, die Tochter eines wohlhabenden Landwirts. Doch Oskar Schindler ist ein Spieler, ein Frauenheld. Über eine Affäre kommt er zum deutschen Geheimdienst. Als er schließlich 1939 von der tschechischen Polizei als Agent entlarvt und zum Tode verurteilt wird, rettet ihn nur der Einmarsch der deutschen Truppen in den tschechoslowakischen Reststaat.
Noch vor Kriegsbeginn tritt Oskar Schindler in die NSDAP ein, wovon er sich vor allem Aufträge und lukrative Geschäfte verspricht.
Nach der Eröffnung des zweiten Weltkrieges durch den Überfall auf Polen, angeführt von Adolf Hitler, geht Schindler nach Krakau, während seine Frau in Mähren lebt. Schindler hofft, Vorteile aus dem Krieg ziehen zu können. Er hatte das korrupte System der SS schnell durchschaut und wusste seine Beziehungen zu ranghohen SS-Chargen zu nutzen. Schließlich übernimmt er eine Emaillewarenfabrik, die Geschirr produziert. Schon bald kann Schindler Gewinne verbuchen, denn zu den Auftragsgebern zählt auch die deutsche Wehrmacht. Somit ist die Fabrik kriegswichtig.
Sein jüdischer Buchhalter Itzhak Stern, der maßgeblich an Schindlers Werk beteiligt war, überzeugt ihn, jüdische Zwangsarbeiter einzustellen. Die Geschäfte laufen gut und Oskar Schindler führt ein luxuriöses Leben, arrangierte Feste, trinkt gern und hat zahllose außereheliche Äffären.
Aber je länger der Krieg dauert, desto klarer wird Schindler, dass er den Juden helfen muss. Er beobachtet zufällig die Liquidierung des Krakauer Ghettos, sieht, wie SS-Männer wehrlose Menschen aus ihren Häusern treiben und willkürlich Juden erschießen. Diese werden anschließend in das Arbeitslager Krakau-Plaszów gebracht und von Hauptsturmbannführer Amon Göth und seinen Männern schikaniert. Oskar Schindler beginnt, mit Itzhak Stern Pläne zu schmieden, wie er die Gefangenen retten kann.
Nach dem Einmarsch der Roten Armee Ende 1944 transportieren die Deutschen die Juden in Vernichtungslager wie Ausschwitz. Jetzt tritt Schindlers Gattin Emilie auf die Bühne: Sie ringt den Nazi-Offizieren die Genehmigung ab, seinen Betrieb in ein Nebenlager in Brünnlitz bei Zwittau zu verlegen. Durch immens hohe Bestechungsgelder opfert Schindler sein gesamtes Vermögen, um so viele "kriegswichtige" jüdische Arbeitskräfte zu kaufen wie möglich. Auf der später weltberühmten Liste stehen fast 1100 Namen - alle überleben.
Nach Kriegsende wird Schindler von seinen Juden ein aus Zahngold gefertigter Ring übergeben. Er enthält die Inschrift: "Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt."
Oskar und Emilie Schindler sind von nun an auf der Flucht vor der russischen Armee. Für sie wären sie nicht mehr gewesen als Kriegsgewinnler mit Verbindungen zu ranghohen Nazis. Alle weiteren Unternehmen Schindlers scheitern, das große Geld bleibt aus, doch er erhält sein Leben lang Unterstützung von den Juden, denen er das Leben rettete.
Oskar Schindler stirbt am 09.10.1974 in Hildesheim.
Schindler hat bewiesen, dass man kein Heiliger sein muss, um anderen Menschen zu helfen. Auf der einen Seite war er ein knallharter Geschäftsmann, jemand, der sich blendend mit SS-Führern verstand und seine Ehefrau betrog. Doch er war auch ein außerordentlich großherziger Mann, der in schwersten Zeiten eine Zivilcourage bewies, wie sie nicht oft zu finden ist. Er wollte sich nicht unterkriegen lassen in seiner Empörung über die Grausamkeit des Menschen. Er kämpfte vielleicht nicht mit ehrlichen Mitteln, aber er kämpfte, und das ist was zählt, finde ich. Meiner Meinung nach kann Schindler Vorbild für uns alle sein. Vielleicht werden wir niemals einem Menschen das Leben retten, aber wir können trotzdem etwas tun. Sei es, einen alten einsamen Mann im Park anzulächeln oder mit ein paar netten Worten auf den neuen schüchternen Schüler zuzugehen. Wir alle können unseren kleinen Teil dazu beitragen, diese Welt ein Stückchen besser zu machen.
Aus der 21. Ausgabe vom 29.08.2010