
Schreibblockade - Wenn der Kopf streikt by Nadjen
Lea sitzt vor einem Block, eine unbeschriebene Seite liegt vor ihr. Den Füller in der Hand haltend sitzt sie da und starrt auf das weiße Blatt Papier. Ihre Hand zuckt, sie will schreiben. Aber in ihrem Kopf bekommt sie keinen anständigen Satz hin.
Tom sitzt im Zug. Er schaut nachdenklich aus dem Fenster. Die Landschaft zieht an ihm vorbei. In seinem Kopf entsteht eine Geschichte. Er sieht die Bilder vor sich. Als er nach Hause kommt setzt er sich mit einem Block und einem Stift auf die Coach. Er schlägt eine Seite auf. Er legt den Füller an und will schreiben. Doch mehr als ein "Als" erscheint nicht auf dem Blatt. In Gedanken versunken streicht er mehrmals dieses Wörtchen durch.
Anna sitzt aufrecht auf ihrem Schreibtischstuhl. Ihre Finger sausen wie wild über die Computertastatur. Plötzlich stoppt sie abrupt, nimmt ihre Hände von der Tastatur und stützt ihren Kopf ab. Dann liest sie das, was eben auf dem Bildschirm entstanden ist. Sie schüttelt den Kopf und hält den Finger lange auf dieLöschtaste.
Wer kennt diese Situationen nicht? Sie sind verschieden, doch im Grunde laufen sie auf dasselbe hinaus. Diese drei Personen haben das gleiche Problem, wie viele andere begeisterte Schreiber. Eine Schreibblockade.
Das kann sich ganz unterschiedlich äußern. Entweder hat man so gar keine Lust zu schreiben, oder man hat Ideen, aber sie wollen sich nicht äußern. Dann kommt auch noch ein Ideenstau hinzu. Oder man bemerkt die Schreibblockade erst, wenn man die fabrizierten Texte liest, da sie total merkwürdig und ungewohnt geschrieben sind.
Eine Umfrage von mir auf hierschreibenwir.de hat ergeben, dass sehr viele Schreiber sich mit diesem Thema nur allzu gut auskennen.
Die Dauer der Schreibblockaden ist immer sehr unterschiedlich. Die kürzeste Zeit, laut Umfrage, war eine halbe Stunde, was ja noch recht gut auszuhalten ist. Die längste Schreibblockade dauerte eineinhalb Jahre. Durchschnittlich dauern die meisten Schreibblockaden ein bis zwei Monate. Es kommt aber vor allem auf die Umstände an. Manchmal hat man einfach sehr viel um die Ohren, dann macht sich eine Schreibblockade bemerkbar. Oder es ist die Faulheit, die beim Schreiben stört. Man kann sich aber auch fragen, warum schreibe ich überhaupt? Fehlende Motivation ist auch Grund einer Schreibblockade.
Aber zurück zur Dauer. Das entscheidet meistens der Kopf von selbst. Irgendwann legt sich ein Schalter um. Wenn man das merkt, kann man wieder schreiben.
Jetzt hätten wie vermeintliche Gründe und Dauer geklärt, doch wie äußert sich die Schreibblockade?
Meistens schwindet die Konzentration, Wörter und Sätze fehlen einfach, der Wortschatz verkleinert sich manchmal sozusagen auf das Niveau eines Grundschülers. Das Geschriebene macht keinen Sinn oder der Eifer zum Schreiben fehlt. Am besten kann man eine Schreibblockade an ihrem Hauptmerkmal erkennen: Einem weißen Blatt.
Aber was kann man dagegen machen? Wie kann man diese "Krankheit" behandeln? Was macht man am besten mit überschüssigen Ideen und was ist, wenn einem diese Blockade gar nicht in den Kram passt, weil man eigentlich ganz dringend etwas schreiben muss oder will?
Ein guter Tipp ist sicher, sich Inspiration von anderen zu holen. Also, einfach lesen - egal was. Vielen hilft auch eine kurze Pause einzulegen und Musik zu hören. Auch Schlafen oder einfach nur Nachdenken sind zwei häufig angewendete Taktiken. Viele beobachten ihre Umwelt genauer. Der beste Tipp bei überschüssigen Gedanken ist, sich Stichpunkte zu machen, Mindmaps zu erstellen oder einfach alles Mögliche auf ein weißes Blatt kritzeln. Schmuddelig und durcheinander. Wenn ein Text unbedingt sein muss, dann wird er einfach aufgeschrieben. Später, wenn es besser geht mit dem Schreiben wird er gründlich überarbeitet.
Eine Idee hat mir bei der Umfrage besonders gut gefallen. Einfach eine alte Geschichte nehmen und sie umändern, so viel, wie möglich. Sozusagen als "Anhaltspunkt".
Wenn es gar nicht geht, einfach lassen, denn oft enden Texte in der Zeit einer Schreibblockade erzwungen oder einfach nur "hingeschmiert".
Die letzte Frage der Umfrage war: Gehst du eine Schreibblockade entspannt an? Das Ergebnis zeigt: Viele kennen sich mittlerweile mit diesem Problem aus und sind es gewohnt, ab und zu mal eine Schreibblockade zu haben. Eine Befragte meinte sogar, dass man Schreibblockaden durchaus auch positiv sehen kann. Man weiß, danach kann's nur noch besser werden. Aber es gibt wiederum auch Schreiber, die ärgern sich über dieses "Problem" und es deprimiert sie.
Doch an alle mit Schreibblockaden: Jeder hat häufiger oder weniger häufig eine Schreibblockade, doch irgendwann geht sie wieder weg. Irgendwann hört der Kopf auf, nur noch Blödsinn zu konstruieren und irgendwann ist das Blatt auch nicht mehr weiß.
Dazu eine kleine Aufmunterung von mir, an alle mit Schreibblockade.
Das ist entstanden, als ich ebenfalls eine Schreibblockade hatte.
Ein weißes Blatt.
Drei Wörter.
Langsam wird es schwarz.
Die Tasten klappern.
Stille.
Leere.
Nein.
Sechzehn Wörter.
Stille.
Lautes Herzklopfen.
Bumm.
Bumm.
Da will etwas heraus.
Bumm.
Bumm.
Doch was?
Die Gedanken kreisen.
Irgendetwas ist da.
In einer Schublade.
Doch sie ist verschlossen.
Die Wörter.
Sie sind so wichtig.
Sie wollen heraus!
Doch es geht nicht.
Bumm.
Bumm.
Immer noch.
Doch es geht nicht.
Kein weißes Blatt mehr.
Unsinnige Wörter.
Platzfreihalter.
Oder so.
Es sollten eigentlich andere Wörter dort stehen.
Doch es geht nicht.
Die Schublade lässt sich nicht öffnen.
Unruhe.
Bumm.
Bumm.
Später.
Aus der 18. Ausgabe vom 02.05.2010