Dokus mit Drehbuch? - "Scripted Reality" by Klappacom


Wer schon einmal die bekannten Gerichtshows auf den privaten Sendern gesehen hat, kennt bereits "Scripted Reality". Im Allgemeinen handelt es sich dabei um Sendungen, die nach einem Drehbuch hergestellt werden - aber manchmal den Anschein erwecken, als handle es sich hierbei um Dokumentationen.

Unter der Finanzkrise hat der TV-Werbemarkt in Deutschland massiv gelitten. Und da Not ja bekanntlich erfinderisch macht, hat man eine bereits mehr oder weniger bekannte Erscheinung wiederbelebt: Die "Doku-Soap". Zumeist nachmittags finden wir nun auf den meisten privaten Sendern relativ günstig hergestellte gescriptete Dokus (d. h. Dokus, die nach einem Drehbuch gefilmt worden sind). Die häufig von Laienschauspielern dargestellten Charaktere stammen fast immer aus dem "Problemmillieu": kinderschlagende Eltern, pleitegehende Familien, usw. Gerade beim Zappen erscheinen diese Sendungen schockierend und sie sind nicht immer auf Anhieb durchschaubar. Da Klischees zuhauf verwendet werden, wird der schockierende Eindruck verstärkt.

Wie weit können diese Fernsehsender noch gehen? Wenn man an kleinere Kinder denkt, die auch einmal nachmittags die "Glotze" einschalten, wirft dies die Frage auf, ob diese überhaupt dazu fähig sind, Wahrheit von Fiktion zu unterscheiden. Die Grenze dazwischen verschwimmt mittlerweile zusehends. Gesehenes zu reflektieren wird auch gerade dann schwieriger. Entweder das Fernsehen verliert durch "Scripted Reality" komplett seine Glaubwürdigkeit, oder manche verfallen vollkommen passiv seinem medialen Sog. Wenn dann auch noch in informativ wirkende Magazine mit Scripted Reality eingegriffen werden sollte, dann dürfte die Verwirrung komplett sein.

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Aus der 16. Ausgabe vom 21.02.2010