"The Sandpit" - Die Welt schrumpft by Klappacom


Sam O'Hares kurzer Film zeigt New York aus einer Perspektive, die uns wie aus Kinderaugen auf diese gewaltige Stadt blicken lässt, die auf einmal miniaturmäßig klein und geradezu idyllisch scheint. Die Menschen wuseln wie Ameisen umher, Spielzeugautos, Hubschrauber und Bagger erwecken die Stadt zum Leben.



Ein faszinierender Effekt, den wir auch aus den Marketing-Kampagnen eines großen Telekommunikationskonzerns kennen. Dieses kleine Meisterstück beeindruckt jedoch durch seine Gesamtkomposition: Die Musik ist perfekt auf die Bilder eingestellt und liefert einen passenden, sphärischen Hintergrund. Dazu vermitteln die Bilder die Perspektive eines entspannten Beobachters der Stadt, ein ganzer Tag im Zeitraffer.
O'Hare stellt Bewegungen dar. Weniger sehen wir die typischen Häuserschluchten oder monolithischen Wolkenkratzer New Yorks, wie sonst so typisch. Stattdessen erleben wir die Stadt beeindruckend lebendig und doch gelassen zugleich.
In unserer globalisierten Zeit, in der irgendwie alles schneller wird, ist die Perspektive von oben ein neuer Trend: "Google Earth" lädt ein, sich Städte in 3D in sein Zimmer zu holen und das Internet lässt uns "mal eben mit China chatten". In unseren Köpfen ist die Welt geschrumpft, jedes Land scheint erreichbar, obwohl sich die Weiten physisch nicht verändert haben. Diese beobachtende Perspektive von oben findet sich in dem Film wieder.

In einem Interview erzählt O'Hare, wie der Film entstanden ist. An fünf Tagen wurden sagenhafte 35 000 Einzelbilder mit Unterstützung zahlreicher Leute produziert, die ihn auf ihre Dächer, Balkone und Penthäuser ließen. Aus diesem Material wurde letztendlich das Video in Stop-Motion-Technik zusammengesetzt.
Der Effekt, Fotos wie aus einer Modellbahnanlage wirken zu lassen, ist nicht neu. Sogenannte "Tilt-Shift-Objektive" sind normalerweise dafür zuständig. Sie verursachen eine Verzerrung der Fluchtlinien, den Effekt, dass plötzlich alles ganz klein wirkt. Für dieses Video wurden solche Objektive nicht verwendet, stattdessen wurden die Bilder nachträglich entsprechend bearbeitet; O'Hare waren Tilt-Shift-Objektive nicht flexibel genug zu handhaben.

Und doch ist diese Perspektive auf ihre Weise distanziert und oberflächlich. Sie erzeugt den "Blick auf's Große und Ganze" - und das wirkt schön. Genauso wie die Astronauten die Erde als eine unsagbar schöne Murmel sahen*. Nun, da wir sie endlich zu schätzen wissen, sollten wir in die Details gehen.


*siehe Raumfahrt zur Erde?

»Einen Kommentar schreiben


Aus der 18. Ausgabe vom 02.05.2010