Reisetagebuch: Wien (Teil 2) by Nadjen


Zu Teil 1

Nach dem ereignisreichen Tag kann ich sehr gut schlafen. Aber auch am nächsten Morgen fällt mir das Aufstehen nicht so leicht. Wie auch sonst bleibe ich noch so lange in meinem gemütlichen Hotelbett liegen, dass ich mich am Ende sehr beeilen muss, um noch pünktlich zum Frühstück zu kommen. "Was machen wir heute eigentlich?"

Die Frage hätte ich wohl schon früher stellen sollen. "Wir wollen noch einmal zum Stephans Dom", bekomme ich als Antwort. So schnell wie an diesem Morgen war ich noch nie fertig. Irgendwie gefiel mir der Gedanke, den weißen Soldaten mit ein wenig Glück vielleicht noch einmal zu sehen.
Nach dem Frühstück laufen wir auch gleich los zur U-Bahn und fahren zum Stephans Dom. Unauffällig schaue ich mich vor dem Dom um, aber nichts zu sehen von einem weißen Soldaten. Wäre aber auch komisch gewesen, so früh treiben diese Leute sich ja eher nicht herum. Also geht es in den berühmten Dom. Ich bin sofort begeistert. Sehr beeindruckend. Vor allem als dann von der Decke etwas hinabgelassen wird, das nicht so wirklich in die Kulisse passt. Bei genauerem Hinsehen stelle ich auch fest, dass sich dort eine Baustelle befindet. Das gibt dieser wunderschönen Atmosphäre aber eine kleine Delle. Na ja. In die Katakomben kann man leider nicht hineinschauen, wie's scheint. Schade, die hätten mich auch sehr interessiert.
Dann fahren wir weiter mit der U-Bahn zum Prater.

Der Prater in WienDer Wiener Prater von oben

Als wir auf den Eingang dieses riesigen Vergnügungsparks zulaufen, sehen wir schon das berühmte Riesenrad. Ich halte die Hand an die Stirn und blicke in den blauen Himmel, der Sonne entgegen. Durch den Himmel bewegen sich kleine rote Pavillons. Das circa 65 Meter hohe Riesenrad ist unter anderem ein Wahrzeichen Wiens. Der dazugehörige Park ist riesig. Prater heißt übersetzt so viel wie "Wiese". Der von vielen geliebte ganzjährige Vergnügungspark ist nur ein Teil des riesigen Parkgeländes.
Nachdem wir uns gegen die Rundfahrt mit der Lilliputbahn entschieden haben, beschließen wir ersteinmal auf das Riesenrad zu gehen und uns den Park von oben anzuschauen.
Der Park kostet keinen Eintritt, dafür verlangen aber leider die einzelnen Fahrgeschäfte nicht gerade wenig "Eintritt". Eines der teuersten ist das Riesenrad.
Aber wir bezahlen und ... nein, es geht nicht gleich in einen der knallroten kastenartigen Kabinen, zuerst sehen wir die Geschichte vom Prater. Dargestellt mit kleinen Figuren in verschiedenen Glaskästen. Beeindruckend. Dann müssen wir uns anstellen. In eine der Kabinen passen sehr viele Leute, deswegen sind wir schon bald auf dem Weg nach oben. Schon auf halber Höhe komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Gelände vom Prater ist riesig und wunderschön. Die einzelnen Fahrgeschäfte sehen sehr verlockend aus. Verschiedene Achterbahnen, ein Freefalltower, ein Kettenkarussell, das aussieht, als wäre es noch höher als das Riesenrad und noch viel mehr. Dann kann ich sogar über ganz Wien schauen. In der Ferne sehe ich eine goldene Kuppel. Sie gehört zu dem Hundertwasserhaus. Als ich aus dem Fenster auf der anderen Seite blicke, sehe ich sogar den Wiener Wald.
Viel zu schnell ist die eine Runde vorbei.
Wir gehen weiter durch den Vergnügungspark. Ich würde sehr gerne mit einigen der Fahrgeschäfte fahren, zum Beispiel mit einer Achterbahn, in der man auf dem Bauch liegt, aber der Preis ist es mir nicht wirklich wert. Zwischen vier bis fünf Euro muss man in der Regel bezahlen. Zum Schluss fahre ich dann doch noch eine Achterbahn. Ganz alleine, denn der Park ist ziemlich leer mittags.
Langsam werden wir hungrig. Wir schauen uns bei den vielen Restaurants um und entscheiden uns letztendlich für eines.
Leider müssen wir uns dann auch schon wieder auf den Weg zum Hotel machen. Als ich unter dem Schild, auf dem mit riesigen Buchstaben "Prater" geschrieben steht, durchlaufe, nehme ich mir fest vor: "Ich werde wieder kommen." Denn der Park ist einfach genial, teuer in den einzelnen Sachen, aber super.

Schloss Schönbrunn in WienSchloss Schönbrunn in Wien

Zurück im Hotel ziehen wir uns etwas feiner an und machen uns mit der Straßenbahn auf den Weg zum Schloss Schönbrunn. Dort besuchen wir heute eine Marionettenvorstellung von der "Zauberflöte". Da wir noch ein wenig Zeit bis zur Vorstellung haben, schauen wir uns die riesige Gartenanlage an. Sie ist wunderschön, aber mir eindeutig zu weitläufig. Also setze ich mich auf ein Stück Rasen, krame mein kleines Buch heraus und lese. Eine schöne Atmosphäre zum Lesen, stelle ich fest, als ich mich kurz umblicke. Ich kann die Rückseite des Schlosses sehen, an der sich natürlich auch eine wunderschöne Veranda befindet, zugänglich über zwei mindestens ebenso schöne Treppen.
Auf der Veranda sehe ich eine mädchenhafte Gestalt. Sie hat ein wunderschönes Kleid an und posiert wie ein Model. Etwas entfernt kann ich einen Fotograf ausmachen.
Stimmt. Das ist einfach eine fabelhafte Location für ein Fotoshooting.
Nach einiger Zeit machen wir uns auf den Weg zum Marionettentheater, das sich in einem Nebengebäude befindet.
Nun sitzen wir in einem kleinen Saal auf bequemen Kinosesseln und schauen auf die kleine Bühne. Schließlich betritt eine Frau den Raum und stellt sich vor. Sie erklärt uns kurz die Marionette, die sie in der Hand hält. Welche Fäden man ziehen muss, damit die Marionette läuft und viel mehr. Faszinierend. Man braucht sehr viel Übung, das steht schon mal fest.
Dann beginnt das Theaterstück. Es ist einfach beeindruckend, wie diese Figuren sich auf der Bühne bewegen. Nach der Vorstellung dürfen wir einmal "Hinter die Kulissen" schauen. Da hängen alle Marionetten, die wir eben noch auf der Bühne gesehen haben. "Aber die sind ja viel kleiner, als eben.", stellt ein Zuschauer fest. Wir bekommen erklärt, dass das eine optische Täuschung ist. Durch die kleine Bühnenöffnung wirken die Figuren größer.
Müde lassen wir uns von der Straßenbahn zurück zum Hotel fahren. Das war wieder ein sehr ereignisreicher Tag. Ich bin gespannt, was ich morgen alles erleben werde, hier in meiner neuen Lieblingsstadt Wien.

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Aus der 23. Ausgabe vom 31.10.2010