Eine schockierende Autobiographie des Ex-Top-Models Waris Dirie - "Wüstenblume" rezensiert by Lesemaus96


Beschneidung gibt es auch heute noch - Ein Buch, das über das grausame Ritual berichtet.

Waris Dirie erzählt in ihrem Buch wie sie in Somalia mit ihrer Nomadenfamilie in der Wüste Afrikas umher wanderte, um immer wieder neue Wasserstellen zu finden.
Sie hütet die Schafe und Ziegen ihrer Familie und muss immer wieder ums Überleben kämpfen.
Mit fünf Jahren wird sie schließlich Opfer eines grausamen Rituals: Die Beschneidung, an deren Folgen schon ihre Schwester und zwei ihrer Cousinen unter unerträglichen Schmerzen gestorben sind.

Mit vierzehn Jahren wird sie von ihrem Vater gezwungen einen viel älteren Mann zu heiraten, doch Waris wehrt sich dagegen und läuft weg. Sie schafft es in die Hauptstadt Mogadischu und mit viel Glück gelangt sie durch die Hilfe ihrer Verwandten und Bekannten nach London, wo sie zunächst unter erschwerten Bedingungen mehrere Jahre als Dienstmädchen bei einem somalischen Botschafter, der ein Verwandter ihrer Mutter ist, arbeitet. Doch schon bald müssen er und seine Familie zurück nach Somalia.
Mit ihren Überredungskünsten schließlich schafft Waris Dirie es, in England zu bleiben.Hier wird sie von einem Fotografen entdeckt und schafft es, eines der größten Top Models überhaupt zu werden. Sie gründet eine Familie, bringt Kinder zur Welt, wird UNO-Sonderbotschafterin und bringt ihr Leben und die schrecklichen Dinge, die ihr widerfahren sind, in ihrem Buch "Wüstenblume" weltweit heraus, um den Leuten deutlich zu machen, dass es noch heute Beschneidungen gibt, Millionen von Frauen darunter leiden und etwas dagegen getan werden muss.

Waris Dirie hat es geschafft von dem Nomadenmädchen aus Afrika zu einem Top Model zu werden. Sie hat sich getraut über die schrecklichen Rituale ein Buch zu schreiben und ihr Leben öffentlich gemacht.
Denn noch immer wird die Beschneidung in 28 Ländern praktiziert und täglich werden 4000 junge Frauen beschnitten. Selbst in Deutschland leiden noch viele Mädchen und Frauen unter den Folgen.
Es heißt, als UNO-Sonderbotschafterin tue sie wirklich sehr viel gegen die Genitalverstümmlung der Frauen, und auch wenn sie von vielen Männern aus ihrem Heimatland, die ihre alten Rituale nicht ändern wollen, kritisch gesehen wird, gibt sie dennoch nicht auf und macht weiter.
Sie redet über die Probleme und schaut nicht weg.

Meiner Meinung nach verdient sie Respekt und die nötige Anerkennung dafür, dass sie den Mut hatte, ihre Erlebnisse Millionen von Menschen mitzuteilen und ein Buch zu schreiben. Sogar ein Film ist im Herbst 2009 über das Buch gedreht worden. Das finde ich besonders wichtig, denn viele wissen noch nicht einmal etwas über die Genitalverstümmlung.

Ich finde es wirklich gut, dass es auch Bücher über solche ernsten Themen gibt, denn es fasziniert mich, dass es solche mutigen und engagierten Frauen gibt, die sich für Mädchen einsetzen, denen genau dasselbe widerfahren ist oder noch widerfahren soll.
Ich konnte mich wirklich gut in das Buch hinein versetzen, alles wird sehr gut beschrieben, man kann alles genau mitverfolgen und auch Gefühle waren sehr gut eingesetzt, weswegen man entweder anfängt laut loszulachen oder mit den Tränen kämpfen muss.
Es ist ein sehr interessantes, bewegendes und vor allem ehrliches Buch eines somalischen Mädchens, dass einem auch ein Stückchen einer anderen Weltanschauung mitgeben kann.
Bemängeln würde ich eigentlich nur den Schreibstil der Autorin,aber  vielleicht liegt es aber auch nur an der Übersetzung aus dem  Englischen.
Was ich ebenfalls schlecht fand war, dass Männer sehr negativ beschrieben werden.
Vielleicht ist es nicht gerade ein Buch, das für zarte Personen geeignet ist.

Meiner Meinung nach ist es ein außergewöhnlich bewunderndes Werk von einer außergewöhnlichen bewundernswerten Frau.

Zusätzliche Informationen:

von Dirie, Waris;
Kartoniert
2009 Droemer/Knaur
ISBN 3-426-78342-8
Preis: 9,95 Euro
Seitenanzahl: 375
Außerdem gibt es auch einen Film zum Buch

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Aus der 17. Ausgabe vom 28.03.2010